"KURIER"-Kommentar von Bernhard Gaul: "Wählen ohne Klammer"

Die Überzeugung bei dieser Wahl fehlt. Auch für die Kleinparteien.

Wien (OTS) - Wer von sich behaupten kann, bei dieser Wahl mit
gutem Gewissen eine Partei wählen zu können, wird in der Minderheit bleiben. Der Politiker-Verdruss und die Tatsache, nach eineinhalb Jahren parteistrategischer Scharmützel erneut zu den Urnen zu müssen, haben ihre Wirkung nicht verfehlt.
Es droht eine Wahl, bei der viele nur mit einer Wäscheklammer auf der Nase das Kreuzerl machen können. Weil die Überzeugung fehlt. Ein Glück, könnte man meinen, dass es ein so breites Parteienspektrum gibt. Nicht auszudenken, wenn wir nur - wie etwa in den USA - zwischen Partei A und Partei B wählen dürften.
Bei näherer Betrachtung muss leider die Wäscheklammer wieder herhalten. Weil bei der orangen Kärnten-Partei die Gerichtsakten interessanter sind als das Wahlprogramm. Weil die Tiroler Rebellen nur für Tiroler Rebellion stehen. Und weil eine liberale Schmidt-Partei für beliebige Werte steht. Dazu die Sorge, dass eine Stimme für eine Kleinst-Partei verschenkt ist.
Da drängt sich ein Fernseh-Vergleich auf: Früher gab’s nur FS 1 und FS 2, jetzt über 50 Kanäle. Wer findet, dass mehr Sender zu mehr Qualität geführt haben, darf ohne Wäscheklammer zur Wahl gehen.

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