Verbund-Vorstand kann gute Ergebnisse verkünden

Teilweiser Paradigmenwechsel in der Branche - Die Preise werden weiter steigen

Wien (OTS) - Die Präsentation des Halbjahresergebnisses 2008 des Verbund bildete den Anlass für das Pressegespräch am Dienstag, dem 29. Juli, und Generaldirektor Dr. Michael Pistauer konnte durchaus Erfreuliches berichten, nicht ohne zu erinnern, dass dies nicht immer so der Fall gewesen war: "Ich darf ein gutes Ergebnis verkünden, aber es war ein harter Weg,. Der Verbund war zu Beginn der Liberalisierung in keiner guten Situation, es gab einen Strompreisverfall, man musste sich ernste Sorgen um die weitere Entwicklung des Unternehmens machen. Nach heutigem Geld 1,5 Milliarden Euro haben wir im Umfeld der Liberalisierung wertberichtigt". Nun, so der Vorstandsvorsitzende weiter, gehe es um das Marktumfeld. Die Primärenergieentwicklung schlägt sich zu Buche, etwa beim Kohleneinkauf für das Kraftwerk Dürnrohr. Grundsätzlich muss von weiter steigenden Preisen ausgegangen werde, das beginnt schon bei den CO2-Zertifikaten. Es erfolgt die Reduktion der Gratiszertifikate, NAP 2 ist mit großen Kosten verbunden, mit NAP 3 ab 2013 werden die Gratiszertifikate überhaupt wegfallen, "das wird sich auf die Preise auswirken". Hatten die Großhandelspreise im Jahr 2007 im Schnitt 52 EUR je Megawattstunde (MWh) betragen, liegen sie 2008 bei 68 bis 70 EUR und werden 2009 voraussichtlich auf 75 EUR pro MWh anziehen.

Was den derzeitigen Status des Verbund betrifft, lag die Gesamterzeugung des Konzerns in den Quartalen 1-2/2008 mit 14.418 Gigawattstunden (GWh) um 7,5 Prozent über dem Niveau von 2007, der Anteil der Wasserkraft wuchs um 11,1 Prozent. Das niederschlagsreiche Frühjahr brachte eine gute Wasserführung der Flüsse, wodurch der Erzeugungskoeffizient um 4 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt bzw. um 17 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Die Speicherkraftwerke speisten aufgrund der gegenüber 2007 niedrigeren Pegelstände um 20 Prozent weniger Strom ein, insgesamt wurden 90 Prozent der Konzernerzeugung aus Wasserkraft aufgebracht. Pistauer sieht überhaupt einen (teilweisen) Paradigmenwechsel zur Wasserkraft, "in Europa ist der Verbund das auf erneuerbare Energie ausgerichtete Unternehmen, wir setzen auf Wasser und erneuerbare Energien", postuliert er. Im Wasserbereich realisiere man, "was wir mit gesellschaftlicher Akzeptanz durchbringen können". Das spiegelt sich auch in den Auslandsengagements wider: Von einem 2 MW-Solarpark in Andalusien bis zu den geplanten 9 großen Wasserkraftwerden in der Türkei, mit deren Bau bereits 2009 begonnen wird (Zeithorizont für die ersten Fertigstellungen ist 2012), man rechnet, damit 2015 etwa 10 Prozent des türkischen Strommarktes zu besetzen. In diesem Zusammenhang moniert der anerkannte Stromfachmann die Bewilligungspraxis in Österreich, "es ist schwierig geworden, Infrastrukturprojekte durchzubringen". Für den Bau des Gaskraftwerks Mellach bei Graz, einem Standort, der bereits energiewirtschaftlich genutzt wird, hätten allein die Vorverfahren 30 Monate gedauert.

Jedenfalls, der Verbundkonzern hat eine sehr erfolgreiches Jahreshälfte 2008 zu verzeichnen: Die Umsatzerlöse stiegen um 10,6 Prozent auf 1.649,2 Millionen EUR, das operative Ergebnis konnte um 26,1 Prozent auf 564,2 Millionen EUR gebessert werden, das Konzernergebnis erhöhte sich gar um 30,0 Prozent auf 429,0 Millionen EUR. Zugelegt hat man auch auf der Kundenseite, die Zahl der Endkunden beläuft sich derzeit auf rund 150.000, um 30.000 im Berichtszeitraum gewachsen. Pistauer sieht freilich einen Wechsel im Versorgungssystem als notwendig an - "Wir brauchen hochleistungsfähige Netze, computergesteuert bis in die Haushalte. Dann kann man zweistellige Wachstumsraten pro Jahr zur Verfügung stellen, bei entsprechender Erhöhung der Dividenden". Der Verbund-Vorsitzende könnte einer weiteren Privatisierung durchaus etwas abgewinnen, er gibt zu bedenken, vielleicht schade die Öffentliche Hand ihrem eigenen Wert, und schade damit den Aktionären, die das Unternehmen auch in schwierigen Zeiten mitgetragen haben. Freilich müsse man sich die Aktionärsstruktur ansehen, "derzeit befinden sich 75 Prozent im Bereich der Öffentlichen Hand oder der öffentlich dominierten Hand, etwa der Landesversorger. Bei einer Privatisierung werden die Kursziele noch mehr steigen", lässt Pistauer Prioritäten anklingen. Dazu eine -hoffentlich erlaubte -persönliche Anmerkung des Berichterstatters: von Konsumenten, sozial leistbaren Kalkulationen im Sinne der Daseinsvorsorge und von Versorgungssicherheit war kaum etwas zu hören.

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