Caritas schlägt Sieben-Punkte-Programm gegen Armut vor

Wiener Caritasdirektor Landau will sozial Schwachen in Österreich und der EU beistehen - Teuerungen werden für immer mehr Menschen existenzielles Problem

Wien, 29.7.08 (KAP) Mit einem Sieben-Punkte-Programm, das sozial Schwache in Österreich und der EU stärken soll, ist der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am Dienstag an die Öffentlichkeit getreten. An erster Stelle steht dabei die seitens der Caritas schon mehrmals erhobene Forderung nach einer bedarfsorientierten Mindestsicherung, die die jeweilige Inflationsrate "voll abgelten" soll. Die jüngsten Preissteigerungen würden alle treffen, besonders aber Arme und sozial schwache Haushalte, so Landau im "Kurier": "Ein Viertel unserer Klientel muss nach Abzug der Fixkosten mit zwei Euro täglich für Nahrung, Kleidung und Kultur auskommen". Die Teuerungen bei Lebensmitteln und Energie würden für immer mehr Menschen ein existenzielles Problem, viele kämen mit ihren Fixkosten nicht mehr zurande, berichtete Landau über die Erfahrungen der Wiener Caritas mit Hilfesuchenden.

Offiziell sind 13 Prozent der Österreicher armutsgefährdet, darunter 250.000 Kinder und Jugendliche. Fünf Prozent leben in akuter Armut. Wenn die Inflation steigt, müssten auch die Sozialleistungen entsprechend angepasst werden, so Landau. Es müsse auch einen fairen Zugang zu sozialen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit und Pflege geben.

Die weiteren vom Wiener Caritaschef vorgeschlagenen Maßnahmen: Der Arbeitsmarkt müsse für sozial Schwache ausgebaut werden, denn "Arbeit ist nicht nur Gelderwerb, sondern trägt zum Selbstwertgefühl bei und fördert außerdem die soziale Integration". Eine Sozialverträglichkeitsprüfung solle sicherstellen, dass Gesetze und Verordnungen nicht zu Lasten ärmerer Bevölkerungsschichten erlassen werden. Gefordert wird auch ein verpflichtendes letztes Kindergarten-Jahr für alle Kinder, um die sprachliche und soziale Integration zu fördern. Schließlich verlangt die Caritas eine Stärkung der Bundeswettbewerbsbehörde, um gegen unberechtigte Preissteigerungen wirksamer vorgehen zu können.

"Europa ist sozial kälter geworden"

Landau hat mit diesen Forderungen nicht nur Österreich, sondern die gesamte EU im Blick. Er forderte im "Kurier" strenge Maastricht-Kriterien nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für das Soziale. In der EU würden knapp 80 Millionen Menschen an oder unter der Armutsgrenze leben. Besonders "alarmierend" findet Landau die große Zahl der Kinder, deren Lebenschancen wegen Armut eingeschränkt sind. "Europa ist sozial kälter geworden", diagnostizierte der Caritasdirektor.

Zeitgerecht vor der "heißen Phase" des Wahlkampfes will Landau seine Forderungen placieren. Denn: "Investitionen in Soziales sind Investitionen in die Zukunft. Der Sozialstaat ist kein Auslaufmodell". Als Caritas-Vertreter gehe es ihm um den Alltag der Menschen hinter den Zahlen, betonte Landau: "Armut hat für uns ein Gesicht – und das ist sehr oft weiblich: Alleinerzieherinnen, Empfängerinnen von Mindestpensionen und Migrantinnen". Von Armut besonders bedroht seien auch kinderreiche, einkommensschwache Familien und Langzeitarbeitslose. (ende)
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