"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Klonfleisch, na Mahlzeit!" (Von Alois Vahrner)

Die EU lässt vorerst Klonfleisch nicht zu - und verhindert damit, dass sie bei ihren Bürgern noch mehr Vertrauen einbüßt (Ausgabe vom 25. Juli 2008)

Innsbruck (OTS) - Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, seit mit
Dolly in Frankenstein-Manier das erste Tier geklont, also kopiert wurde. Ungeachtet des Schicksals von Dolly (das Schaf musste relativ früh eingeschläfert werden) setzt die US-Agroindustrie zum nächsten Sprung an: Fleisch von geklonten Tieren soll im großen Stil auf den Tellern der Konsumenten landen. Bis zu 1.000 geklonte Tiere soll es bereits geben. Das Ziel ist klar: eine Massenproduktion mit genetischen Kopien von besonders produktiven Super-Tieren, die extrem viel Fleisch und Milch abwerfen sollen.

Die USA haben bereits grünes Licht fürs Klonen gegeben - Fleisch und Milch von Abkömmlingen der Klontiere können schon verkauft werden. Und kein Mensch wird wissen, ob er Klonfleisch isst, weil es dafür in den USA keine Kennzeichnung gibt.

Die EU wollte ohne Not, dass wir etwa zu wenig Fleisch hätten, ebenfalls auf Grünlicht schalten. Nun wurde doch der Rückwärtsgang eingelegt: Ein Gesundheitsrisiko für die Konsumenten sei nicht wahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen - wohl wegen der bisherigen Erfahrungen, dass beim Klonen mehr kranke Tiere produziert werden.

Ein Ja zu Klonfleisch wäre ein weiteres schweres Eigentor der EU gewesen, die ohnehin schwer mit fehlendem Vertrauen in der Bevölkerung zu kämpfen hat und nach dem BSE-Skandal ein gebranntes Kind ist. Wie moralisch verwerflich und möglicherweise ungesund Klonfleisch auch sein mag: Ähnlich einer Reihe von Gen-Lebensmitteln droht Europa aber, letztlich zur Zulassung gezwungen zu werden.

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