Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "AUA: Eine Nostalgie"

Ausgabe vom 25. Juli 2008

Wien (OTS) - Traurig, aber offenbar unvermeidlich: So wie die Schweiz und viele andere Länder wird nun auch Österreich seine eigenständige nationale Fluglinie verlieren. Die Not der AUA ist so groß, dass nicht einmal mehr für Wahlkampf-Spiele Zeit ist.

Wie konnte das passieren? Hat doch die AUA noch vor wenigen Wochen mit teurem Tamtam vor viel Prominenz und Tausenden Gästen stolz ihren 50. Geburtstag gefeiert. War sie doch ein Inbegriff für den Aufstieg Österreichs nach Kriegswirren und Fremdherrschaft. Hat man sich doch oft gefreut, wenn man bei der Heimkehr von einer Reise mit Walzer begrüßt worden ist. Bleibt von der österreichischen Identität wirklich nur die lächerliche Erinnerung an ein Fußballspiel in Cordoba, die verzerrte Optik einiger Zeithistoriker, der groteske Provinz-Chauvinismus "Kärnten schiebt Flüchtlinge nach Niederösterreich ab" und die Verdrängung all dessen, was Österreich vor 1918 gewesen ist?

Zurück in die Gegenwart: Der Sinkflug der AUA ist jedenfalls ein schmerzender Beweis dafür, dass am Schluss immer der Computer (also die Regeln der Mathematik und Bilanzierung) siegt, den einige SPÖ-Politiker in der Pensionsdebatte zum Gottseibeiuns machen und ihn quasi per Volksentscheid für irrelevant erklären wollten.

Es gibt (abgesehen von unheilvollen Auftritten der Herrn Leitl und Verzetnitsch) eine gemeinsame Verantwortung von Vorstand, Betriebsrat und Eigentümern, weil keine Reserven angelegt wurden und weil nicht beinhart bei allen Kosten gespart wurde: von den Gehältern bis zur aufgeblähten Administration. Es war höchst fahrlässig, Verträge abzuschließen, durch die man am Schluss dem ärgsten Konkurrenten, nämlich der Lufthansa, und diesem nahestehenden Beratern ausgeliefert scheint. Und schließlich ist es billig, alle Schuld dem teuren Sprit zu geben. Denn den müssen alle zahlen.

Aber noch ist nicht alles verloren. Am wichtigsten wäre es nun, die Rolle Wiens als mittelosteuropäisches Drehkreuz zu sichern. Dazu müsste der Flughafen dem teuren Zugriff der Länder Wien und Niederösterreich entzogen werden. Dazu bräuchte es endlich billige, schnelle und häufige Bahnverbindungen nach Wien, Pressburg und Budapest.

Aber seit Bau der Semmeringbahn hat es hierzulande nie mehr eine Verkehrspolitik gegeben. Sondern nur unfinanzierbare Brenner-Tunnelträume.

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