WirtschaftsBlatt-Kommentar: Zeche bleibt Zeche - sie ist zu bezahlen - von Robert Gillinger

Auf den Aufschwung folgt immer ein Abschwung

Wien (OTS) - Strompreismoratorium (Bartenstein),
Inflationsabgeltung (Leitl/Mitterlehner) und wie auch immer die Vorschläge heißen: Entweder hat der Erfinder der Idee den Wahlkampf im Hinterkopf oder er fürchtet sich vor den Forderungen der Arbeitnehmer bei den Herbstlohnrunden. Die Sozialisierung der einsetzenden wirtschaftlichen Schwächephase haben aber beide im Sinn. Denn einen Strompreisstopp von Unternehmen zu fordern, die mehrheitlich im öffentlichen Besitz stehen, heißt, sie aufzufordern, weniger Gewinn zu machen, den sie dann an ihre Eigentümer ausschütten können. Vorausgesetzt, sie könnten ohne Preisstopp mehr verdienen. Da macht das "Aktuell haben wir ohnehin nichts vor" hellhörig. Und wirklich: Die Strompreise befinden sich seit Wochen auf Tiefflug - da sieht die Forderung eines Preisstopps ein bisserl nach Aktionismus aus. Warum wird nicht ein Stopp der Gaspreise gefordert, von denen wir wissen, dass im Herbst massive Erhöhungen anstehen?

Und lieber Herr Leitl, natürlich stehen bei Ihnen die Interessen der Arbeitgeber im Fokus. Doch müssen wir uns wirklich vor unmäßigen Forderungen der Arbeitnehmer fürchten und daher die Inflation dem Staat umhängen, damit sie bei den Lohnrunden nicht aufs Tapet kommt? So wie alle westlichen Volkswirtschaften ist auch Österreich mehrheitlich vom Konsum seiner Bürger abhängig. Konsum, der in die Taschen der Unternehmer fließt. Um diesen aufrecht zu erhalten, muss halt auch selbst ein bisserl in die eigene Tasche gegriffen werden. Oder wollen wir die längst notwendige Steuerreform auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben, da die Staatsfinanzen noch mehr aus dem Lot geraten?

Wir alle lebten jahrelang über unsere Verhältnisse - auch dank der von der Wirtschaft immer geforderten tiefen Zinsen. Was jetzt gerade auf uns zukommt, ist die Natur von Wirtschaftszyklen - auf den Auf-folgt der Abschwung. Betrachten wir die Natur doch als reinigendes Gewitter, auf dass wir alle wieder zu einer realistischen Wirtschaftseinschätzung kommen. Halten wir jetzt alles künstlich am Leben, wird der Druck auf die Politik nie groß genug, um schon lange notwendige Reformen in Angriff zu nehmen. Dass wir uns gegen die Natur der Wirtschaft nicht stemmen können, zeigen all die Blasen der jüngsten Vergangenheit, die mit Hilfe des Staates und der Notenbanken entstanden sind. Die Blase darf nicht immer größer werden und damit die am Schluss zu zahlende Zeche.

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