Kleinwasserkraft kann schon 50 Prozent der Haushalte mit Strom versorgen

Umweltminister Josef Pröll besuchte Vorzeigekraftwerk "Mühling"

Wien (OTS) - Bereits mehr als 2400 Kleinwasserkraftwerke stellen
in Österreich rund acht Prozent des Strombedarfs CO2-frei bereit und decken damit den Strombedarf von rund 1,5 Mio. Haushalten. Damit können 50 Prozent der Privathaushalte mit umweltfreundlichem Strom aus Kleinwasserkraft versorgt werden, erklärten Martina Prechtl, Geschäftsführerin von Kleinwasserkraft Österreich und Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), anlässlich des Besuchs von Umweltminister Josef Pröll am 24. Juli 2008 im Vorzeigekraftwerk Mühling an der Erlauf in Niederösterreich.

Österreich verfügt über ein Gesamtpotenzial an Wasserkraft zur Stromerzeugung von 56 Terawattstunden (TWh). Bei einem Verzicht der Nutzung der Wasserkraft in Nationalparks und Gebieten, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden, bleibt ein noch ausbaubares Potenzial von 13 TWh. Barbara Schmidt, Geschäftsführerin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ): "Bis zum Jahr 2020 sind im Rahmen des Masterplans Wasserkraft, dem auch die Bundesregierung zugestimmt hat, bis zu sieben TWh des gesamten Ausbaupotenzials realisierbar. Damit können der Anteil der erneuerbaren Energie am Gesamtenergieverbrauch von derzeit 23,3 auf 25 Prozent und der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung von derzeit 58 auf 69 Prozent angehoben werden. Das entspricht der Einsparung von bis zu 3,1 Mio. t CO2 pro Jahr. Schmidt: "Damit ist klar, der Ausbau der Wasserkraft ist gelebter Klimaschutz."

Wichtige Rolle der Kleinwasserkraft für Stromversorgung der Zukunft

Bei einer derzeitigen Stromerzeugung aus Kleinwasserkraft von rund 5000 Gigawattstunden (GWh) besteht ein weiteres technisch-wirtschaftliches Restpotenzial bei Kleinwasserkraft in etwa der gleichen Größe. Zusätzlich finden sich rund 50 Prozent des Optimierungspotenzials von 1400 GWh im Bereich der Kleinwasserkraft und mittleren Wasserkraftwerken. Damit entfallen bis zu zehn Prozent des nutzbaren Wasserkraftpotenzials auf kleinere Anlagen, die ein wichtiger Beitrag zu einer sicheren und regional verankerten Stromerzeugung auf nachhaltiger Basis sind. "Die Strommenge, die aktuell in Kleinwasserkraftwerken erzeugt wird, entspricht etwa der Produktion von fünf Donaukraftwerken in der Größe von Wien-Freudenau", so die Geschäftsführerin von Kleinwasserkraft Österreich Martina Prechtl.

Gefahr durch EU-Wasserrahmenrichtlinie

In den kommenden Jahren sieht sich die Wasserkraftnutzung in Österreich, auch in Kleinwasserkraftwerken, durch die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie einer großen Herausforderung gegenüber. Insbesondere drohen gerade bei kleinen Anlagen Produktionseinbussen von zehn bis 30 Prozent. Dieses Thema stand auch im Zentrum der Gespräche zwischen Umweltminister Pröll, dem Kraftwerksbetreiber, Kleinwasserkraft Österreich-Geschäftsführerin Martina Prechtl und VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmidt im Rahmen der Besichtigung des Kraftwerks "Mühling". Das Vorzeigeprojekt demonstriert eindrucksvoll die Kombination einer optimierten energiewirtschaftlichen Nutzung des Gewässers bei gleichzeitiger Erhaltung eines guten ökologischen Gewässerzustands. Schmidt und Prechtl sind sich einig: "Damit Kleinwasserkraft eine Zukunft haben kann, brauchen wir unbedingt eine ausgewogene Umsetzung der Richtlinie, die sowohl den Schutz der Gewässer ermöglicht als auch den kleinen Kraftwerken Raum lässt."

Hemmnisse zum Ausbau der Wasserkraft beseitigen

Um einen sinnvollen Ausbau der Wasserkraft bis 2020 und auch darüber hinaus zu ermöglichen, fordert die E-Wirtschaft eine Beseitigung bestehender Hemmnisse.

1. Politisches Bekenntnis von Bund und Ländern zur Realisierung der Wasserkraftpotenziale;
2. Klimaschutz muss als öffentliches Interesse anerkannt werden; 3. Eine ausgewogene Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie;
4. Verfahrenserleichterungen bei der Genehmigung von Projekten;
5. Investitionssicherheit für Wasserkraftprojekte.

Kleinwasserkraftwerk "Mühling" - Vorteile für Umwelt und Energiegewinnung

Das erste Kraftwerk am Standort Mühling an der Erlauf wurde bereits 1912 erbaut und 1984 erneuert, wobei die Leistung von 180 kW auf 600 kW und die Jahresarbeit von 1,8 Mio. kWh auf rund 3.000.000 kWh geseigert wurde. 2004 wurde im Zuge von Revitalisierungsarbeiten eine Fischaufstiegshilfe zur ökologischen Anpassung der Anlage an die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie errichtet. Betreiber des Kraftwerkes ist Johann Taubinger, Vizepräsident von Kleinwasserkraft Österreich. Martina Prechtl, Geschäftsführerin von Kleinwasserkraft Österreich und Barbara Schmidt, Generalsekretärin des VEÖ: "Das Kraftwerk Mühling ist damit der offensichtliche Beweis, dass Umweltschutz und Wasserkraftnutzung Hand in Hand gehen können und damit eine Win-Win-Situation für alle entsteht."

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