Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Väterliches Outing"

Ausgabe vom 22. Juli 2008

Wien (OTS) - Ich bekenne: Ich bin nicht der Vater von Laura Rudas, Silvia Fuhrmann und Eva Glawischnig. Nach dem gestrigen Eingeständnis von Hans Dichand, nicht der Vater von Werner Faymann zu sein, fühle auch ich mich zu einem schmerzhaften Outing veranlasst. Was angesichts der optischen Werte der drei Damen durchaus betrüblich ist.

Noch schlimmer ist, dass ich auch nicht imstande bin, in väterliche Begeisterung über die drei Damen und deren "wunderbare Ideen" auszubrechen, wie das Dichand in Hinblick auf Faymann tun kann. Denn ich kenne vorerst keine "wunderbaren Ideen" der drei. Trotzdem bin ich überzeugt: Bei jeder von ihnen würde ich bei einigem Suchen bessere Ideen finden als ausgerechnet den Megaflop der Wiener Gasometer, die nämlich trotz Dichands Begeisterung über Faymanns "hoffnungsvolles Grün" und trotz Dutzender teurer PR-Seiten in Krone und Kurier von Besuchern gemieden und von Handelsbetrieben fluchtartig verlassen werden.

Ich bin auch nicht zu der Prophezeiung imstande, dass eines meiner Leider-nicht-Kinder bei den Wahlen "als Bester abschneiden wird". Aber vielleicht könnte ihnen noch Onkel Hans dabei helfen?

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Absurditäten sind keine exklusiv österreichische Spezialität. Selbst bei den für ihre nüchtern-kühle Rationalität bekannten Briten (sieht man einmal von ihren Fußballfans ab) gibt es derer genug zu finden: So hat der Dachverband der britischen Jugendorganisationen eine 366-seitige Broschüre herausgebracht, mit der bereits bei Dreijährigen(!) rassistische Tendenzen bekämpft werden sollen.

Die Kindergärtnerinnen sollen streng aufpassen und jeden Vorfall sofort den Behörden melden: Etwa, ob einer ihrer Schützlinge ein aus Südasien kommendes Kind "Paki" (für Pakistani) nennt. Oder ob ein Kind zu einer ihm fremden Speise "Igitt" sagt. Es könnte sich bei diesem Wort ja, so fürchtet die Broschüre, um eine "ernstzunehmende Reaktion auf Essen handeln, das mit einer speziellen ethnischen Gruppe assoziiert wird".

Gott sei Dank sind meine Kinder schon dem Kindergartenalter entwachsen, sonst müsste ich ihnen jetzt wohl Sushi, Tacos und andere von Kindern gerne boykottierte Speisen mit Gewalt hineinstopfen. Nur um zu verhindern, dass mich die Kindergartentante als - Igitt! -Rassisten entlarvt.

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