"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Junge Wilde?"

Wer in der Politik die juvenilen Revoluzzer sucht, der tut das vergeblich.

Wien (OTS) - Laura Rudas ist 27 Jahre alt, sie ist laut Bundeswahl-Liste die zweitwichtigste Politikerin der SPÖ, und wenn sie Journalisten antwortet, dann kommen Sätze wie "Am Ende des Tages zählt die Koalition mit dem Bürger". Das klingt reichlich abgeklärt und angepasst, man fragt sich: Redet so eine "junge Wilde"? Natürlich nicht. Aber vielleicht ist die anstehende Nationalratswahl eine passende Gelegenheit, mit einem Mythos aufzuräumen: Denn es gibt sie längst nicht mehr, die juvenilen Revoluzzer, die Parteien und Establishment "aufmischen" - und dann trotzdem politisch Karriere machen.
Woran liegt’s? Zu einem Gutteil wohl an den Parteien. Seit den 90er-Jahren gilt für sie die "Message-Control" als wichtigste Eigenschaft. Die Maxime lautet: Nur ja keine widersprüchlichen Botschaften rauslassen, denn wo Widerspruch ist, ist Streit - und Streit kann uns nur schaden. Für die Jungen heißt das: Fallt ja nicht auf!
Ein wenig müssen sich aber auch die Wähler und die mediale Öffentlichkeit an der eigenen Nase nehmen. Nicht jede Debatte, die in einer Partei geführt wird, ist gleich eine veritable Zerreißprobe. Wo Widerspruch ist, ist Diskussion - und die gehört doch nach wie vor zu einer lebhaften Demokratie, oder?

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