Trotz mehr Privatinsolvenzen kein Anstieg der Armut in Österreich

Creditreform Privatinsolvenzstatistik 1. Halbjahr 2008: 39 Insolvenzen pro Werktag erfordern mehr Verbraucher-Information zur Eindämmung der Privatinsolvenzen

Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Insolvenzstatistik von Creditreform für das 1. Halbjahr 2008 bestätigen die vergangenen Prognosen und zeigen ein weiteres Ansteigen der Privatinsolvenzen:
4.858 Personen waren insolvent - das entspricht einem Plus von 12,7% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. In 88% oder 4.284 der Fälle wurde ein Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Dieser Anstieg ist primär mit dem Abbau des Verfahrens-Rückstandes an insolventen Privatpersonen seit Einführung des Privatinsolvenzrechtes 1995 zu erklären, der auf die personelle und finanzielle Aufstockung der staatlich anerkannten Schuldnerberatungen zurückzuführen ist. Diese "hausgemachte" Steigerung an Privatinsolvenzen bedeutet somit keine Verschlechterung der Armutssituation in Österreich und benötigt weder politische noch legistische Maßnahmen.

Zu den Insolvenzursachen zählt neben der Selbständigkeit - jeder dritte gescheiterte Selbständige geht auch privat in Konkurs - vor allem ein unbesonnener Umgang mit Geld. In den allerwenigsten Fällen sind auch persönliche Schicksalsschläge wie Scheidung und Krankheit ursächlich. Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform fordert daher: "Konsumenten brauchen ein finanzielles Fitness-Training und müssen besser über den richtigen Umgang mit Geld aufgeklärt werden. Banken, Mobilfunkbetreibern und anderen Dienstleistern die Schuld für die steigenden Privatinsolvenzen anzulasten, geht an den Dingen vorbei. Es gilt einfach die alte Weisheit, nicht mehr Geld auszugeben als man hat."

Privatinsolvenzen: Das Bundesländerranking

Der Bundesländervergleich zeigt, dass Wien (+26,1%, 1.737 Fälle) und Vorarlberg (+24,2%, 369 Fälle) nach wie vor die negativen Spitzenreiter waren. Ebenfalls ein starker Zuwachs an Privatkonkursen wurde aus der Steiermark gemeldet (+21,3%, 432 Fälle). Positiv neben Tirol (-8,9%, 468 Fälle) fielen diesmal auch Oberösterreich (-2,6%, 646 Fälle) und Salzburg (-1,2%, 255 Fälle) aus der Reihe.

Die Creditreform-Insolvenzquote (durchschnittliche Insolvenzen je 10.000 erwachsene Einwohner) ergab bei den Privaten folgendes Bild:
Vorarlberg (12,9) und Wien (12,7 Privatinsolvenzen pro 10.000 Erwachsene) bildeten auch bei der Insolvenzbetroffenheit im Privatkonkursbereich das Spitzenduo. Niedrige Insolvenzbetroffenheit herrschte in Niederösterreich (4,0), dem Burgenland (4,2) und der Steiermark (4,4 Insolvenzen pro 10.000 Erwachsene).

Mangels Masse abgewiesene Konkursanträge sanken weiter

Positiv ragt aus dieser Bilanz der Rückgang an mangels Masse abgewiesenen Privatkonkursanträgen um 13,4% (574 Fälle) heraus. Diese Zahl weist darauf hin, dass die Anzahl von Personen, die sich zumindest ihre Zahlungsunfähigkeit rechtzeitig eingestanden und die Möglichkeit des Privatinsolvenzverfahrens zur Entschuldung in Anspruch nahmen, zugenommen hat. Je früher man die Ver- und Überschuldung selbst erkennt und sich eingesteht, desto besser gelingen die Entschuldung und der Neustart in ein finanziell geregeltes Leben.

Der typische Schuldner

Laut Schuldnerberatungen ist der "typische" Schuldner männlich, um die 40 Jahre alt, hat lediglich Pflichtschulabschluss, eine andere Muttersprache als Deutsch und eine Durchschnittsverschuldung von 46.648 Euro, verteilt auf 8,8 Gläubiger. Er verfügt über ein Einkom-men zwischen 700 und 1.200 Euro monatlich. Die Überschuldung hat sich unmerklich über Jahre bzw. Jahrzehnte aufgebaut: "eine Aneinanderreihung kleiner Kreditaufnahmen für alltägliche Güter", beginnend mit Kontoüberziehungen, die sich durch ständige Umschuldungen zu veritablen Krediten und in der Folge zu drohenden Lawinen aufbauen. Kleine äußere Erschütterungen (Kündigungen, Scheidungen oder zuletzt Preissteigerungen) lösen sie dann aus - sind aber eben nicht ursächlich.

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