Weltjugendtag: Papst ruft zur Erneuerung in Kirche und Welt auf

Benedikt XVI. plädierte für eine "neue Ära", in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung überwunden werden - Der bisher größte Gottesdienst in der Geschichte Australiens

Sydney, 20.7.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Weltjugendtages in Australien zu einer Erneuerung der Gesellschaft und der Kirche aufgerufen. Vor 500.000 Gläubigen, die sich im "Southern Cross Precinct" ("Randwick Racecourse" und anschließender "Centennial Park") versammelt hatten, plädierte der Papst für eine "neue Ära", in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung überwunden werden. Dazu sei eine innere Erneuerung der Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes notwendig.

Trotz materiellen Wohlstandes breiteten sich heute geistige Wüsten aus, sagte der Papst in seiner Predigt. Innere Leere, eine undefinierbare Angst und ein verborgenes Gefühl von Verzweiflung machten sich breit. Das Evangelium enthülle aber die Wahrheit über den Menschen, über seine Würde, weil er Gottes Ebenbild ist, über das Leben, über die innerste Berufung des Menschen, die darin bestehe, in der Liebe seine Erfüllung zu finden.

Eine neue Generation von Christen müsse eine neue Welt aufbauen, in der das Leben angenommen, respektiert und liebevoll gepflegt, nicht aber zurückgewiesen und aus Angst zerstört wird, betonte Benedikt XVI. Gefragt sei "eine neue Ära, in der Liebe nicht habgierig und egoistisch, sondern aufrichtig, treu und wirklich frei ist". Es gehe um eine Liebe, "die die Würde der anderen respektiert, ihr Wohl fördert und Freude und Schönheit ausstrahlt". Gerade die jungen Katholiken sollten "Propheten" dieser neuen Ära sein, in der die Hoffnung die Oberflächlichkeit, die Gleichgültigkeit und den Egoismus überwindet, jene Haltungen, die "die Seelen abstumpfen und die menschlichen Beziehungen vergiften". Auch die Kirche brauche eine solche Erneuerung, forderte der Papst. Sie brauche den Glauben, den Idealismus und die Großzügigkeit der jungen Leute, um selbst immer jung sein zu können.

Eindringlich hatte Benedikt XVI. im ersten Teil seiner Predigt Fragen an die Jugendlichen gestellt: "Was werdet ihr der kommenden Generation hinterlassen? Baut ihr eure Existenz auf solidem Grund auf? Lebt ihr euer Leben so, dass ihr dem Geist inmitten einer Welt Raum schafft, die Gott vergessen oder Ihn sogar im Namen eines falschen Freiheitsbegriffs ablehnen will? Wie nützt ihr die Gaben, die euch gegeben sind, die 'Kraft', die der Heilige Geist auch heute über euch ausgießen will?"

Die "Kraft des Heiligen Geistes" verweise die Menschen auf die Zukunft, auf die Ankunft des Reiches Gottes, erinnerte der Papst. In der Lesung des Evangeliums werde eine großartige Vision einer "erlösten und erneuerten" Menschheit sichtbar. Die "Gnade des Geistes" könne man sich aber nicht verdienen oder sie erobern, man könne sie nur als Geschenk empfangen. Deswegen sei das Gebet so wichtig, "das tägliche Gebet, das private Gebet in der Stille des Herzens vor dem Allerheiligsten, und das liturgische Gebet im Herzen der Kirche".

Die Schlussmesse des Weltjugendtages enthielt zahlreiche Elemente der ursprünglichen Kultur des fünften Kontinents Ozeanien, der außer Australien auch die Inselwelt des Pazifischen Ozeans umfasst. Seminaristen von den Fidschi-Inseln trugen das Evangelienbuch unter traditionellen Gesängen auf einer Sänfte zum Altar. Die 30 mal 40 Meter messende Altarbühne war dunkelrot gestaltet, in der Farbe des Heiligen Geistes und des australischen Outback. Die Taubendarstellung über der Bühne stammte von der indigenen Künstlerin Marjorie Liddy von den Tiwi Islands im Norden Australiens.

An der Messe nahmen laut Veranstalterangaben insgesamt 26 Kardinäle und 420 Bischöfe teil. Konzelebranten des Papstes waren der gastgebende Kardinal George Pell, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Kardinal Stanislaw Rylko als Präsident des Päpstlichen Laien-Rates, weiters der maronitische Patriarch, Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir, der Vorsitzende der australischen Bischofskonferenz, Erzbischof Philip Wilson, und Weltjugendtags-Koordinator Weihbischof Anthony Fisher.

Musikalisch gestaltet wurde die Messfeier von einem Orchester aus 80 Instrumentalisten und einem Chor mit 300 Sängern aus Sydney und ganz Australien. Zu den fünf Gesangssolistinnen zählte auch die New Yorker Gospel-Sängerin Francine Bell.

Es war der größte Gottesdienst in der bisherigen Geschichte Australiens. (Forts)
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