Gewerkschaft vida gegen Gigaliner-Zulassung auf Europas Straßen

Eberl: Bedingungen für die FahrerInnen werden noch unkontrollierbarer - Tausende Arbeitsplätze auf Straße und Bahn gefährdet - EU-weite Kampagne gegen "Monstertrucks" gestartet

Wien (vida/ÖGB) - Gegen eine Zulassung von Riesen-Lkw auf dem Straßennetz Europas spricht sich die Gewerkschaft vida aus. "Der Einsatz solcher bis zu über 25 Meter langen und bis zu 60 Tonnen schweren Gigaliner würde nur zu einem Desaster auf Österreichs und Europas Verkehrswegen führen", stellte der Bundessekretär der Sektion Verkehr in der Gewerkschaft vida, Georg Eberl, heute, Freitag, anlässlich eines abgehaltenen Workshops in der EU-Kommission zur Präsentation einer Studie zur Einführung solcher gigantischen Lkw in der Union fest.++++

"Davon abgesehen, dass weder unser heimisches noch das europäische Straßennetz über straßenbauliche Voraussetzungen für solche Riesen-Lkw verfügt,
kann ich der Idee ihrer Zulassung in Europa auch sonst nichts Positives abgewinnen", so Eberl weiter. Der Lkw-Verkehr würde weiter ansteigen, weil Gigaliner bis zu 55 Prozent des Bahnverkehrs auf die Straße bringen würden. Zusätzliche Schäden an Menschen und Umwelt seien dadurch zu befürchten. Gigaliner seien mit ihrer Größe auch für die Rollende Landstraße nicht geeignet: Sie würden daher den Lkw-Verkehr auf Transitrouten in sensiblen Gebirgsregionen wie Brenner- oder Tauernautobahn zusätzlich vermehren, erklärte der Gewerkschafter.

Laut Studien, erörterte Eberl, verursacht billigerer Verkehr auch zusätzlichen Verkehr. 25 Prozent geringere Transportkosten würden beispielsweise schon zu einer hochgerechneten fünfprozentigen Zunahme des Lkw-Verkehrs führen. Im gleichen Ausmaß würden auch Staukosten und Umweltbelastung zunehmen, so der vida-Bundessektionssekretär. Mit den Riesen-Lkw würde auch die Logistik immer mehr auf die Straße verlagert und der Verkehr weiter zum "rollenden Lager" gemacht, prognostiziert Eberl.

Für den gigalinertauglichen Infrastrukturausbau würden enorme Kosten anfallen: "Alleine im Autobahnnetz rechnet die Asfinag mit Investitionen von mindestens einer Milliarde Euro", so Eberl. Der Anteil an Brücken und Tunneln sei alleine schon auf der Autobahn mit knapp 15 Prozent überdurchschnittlich hoch. Darüber hinaus seien Autobahnkreuze sowie Auf- und Abfahrten vielfach nicht für über 25 Meter lange Lkw ausgelegt, unterstrich der vida-Bundessektionssekretär: "Der Einsatz abseits der Autobahnen ist praktisch unmöglich. Fast alle Knotenpunkte beim Ab- und Einbiegen, Kreuzen und Überqueren von Bahnübergängen wären zu überprüfen und umzubauen."

"Für die ArbeitnehmerInnen besonders schmerzhaft ist das Fehlen von Halte- und Rastplätzen mit entsprechender Größe. Dadurch wird das Kontrollieren und Einhalten der Lenk- und Ruhezeiten der Lkw-Fahrer noch schwieriger oder sogar unmöglich", gibt Eberl zu bedenken. "Für die ArbeitnehmerInnen besonders wichtig ist auch der Arbeitsplatzeffekt: Durch die Gigaliner könnten bis zu 12 Prozent aller Lkw-Arbeitsplätze verloren gehen. Noch dramatischer sehe es auf der Bahn aus, sagte Eberl: "Der zu befürchtende Verlust im kombinierten Ladungsverkehr und im Einzelwagenverkehr trifft die Bahn im Herzen: Alleine in Österreich könnten die Gigaliner bis zu 4.000 Bahnjobs kosten."

Gegen die Zulassung von Riesen-Lkw in Europa haben die Allianz pro Schiene, die Umweltorganisation Friends of the Earth Europe, die European Automobile Clubs (EAC) und die Europäische Transportarbeiter Föderation (ETF) eine gemeinsame Kampagne gestartet. Auf der Informationsplattform "No Megatrucks" unterstützen sie ab sofort Verbände und Organisationen in ganz Europa bei der Vernetzung gegen die Einführung der Megatrucks. Mehr Informationen zu dieser EU-weiten Anti-"Monstertruck"-Kampagne finden Sie im Internet auf www.nomegatrucks.eu bzw. auf www.vida.at.

ÖGB, 11. Juli 2008 Nr. 418

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