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"Warum nicht gleich Napalm auf den Küniglberg?"

Offener Brief des ORF-Zentralbetriebsrates an die "Wiener Zeitung".

Wien (OTS) - Betr.: Freddie Kräftners "Medienbörse", "Wiener Zeitung", 9.7.2008

Geschätzter Herr Kommentator Freddie Kräftner,
geschätzter Herr Chefredakteur Dr. Andreas Unterberger, geschätzter Herr Herausgeber Dr. Samo Kobenter!

Zuerst habe ich mir gedacht: Nicht einmal ignorieren. Auch Freddie Kräftner, ein ehemaliger ORF-Mitarbeiter, profiliert sich jetzt halt im offiziösen Organ der Republik Österreich, der "Wiener Zeitung", als einer jener ebenso "mutigen" wie zur Indifferenz neigenden "ORF-Basher". Nichts wirklich Neues, nichts konkret Recherchiertes, nur wiederholt Kolportiertes von "Augiasställen", "Privilegienstadln" und einer ORF-Belegschaft (Journalisten, Technik und Administration), von der gerade mal ein Drittel (so die Kräftnersche Bruchrechnung) "gute bis herausragende Arbeit" leistete. Ein kleiner Rechercheversuch, geschätzter Freddie Kräftner, hätte übrigens zutage gefördert, dass im Herbst nicht über die "Zukunft der ORF-Technik" sondern über ein alle ORF-MitarbeiterInnen betreffendes "Sparpaket" verhandelt werden soll.

Wie gesagt, nichts Neues zwischen Wiedner Gürtel, Ballhausplatz und Stammtisch.Ich hätte auch gerne weiter "nicht einmal ignoriert", wären da nicht die letzten Absätze dieses sogenannten "Kommentars", in denen von Gärten, Unkraut und einem "Wundermittel wie ´Roundup`", das für den ORF zu erfinden wäre, die Schreibe ist. Tatsächlich ist "Roundup" ein "Unkrautvernichtungsmittel" (Glycin und Phosphorsäure).Und tatsächlich habe ich mir gedacht, dass es auch im (Medien-)Journalismus, Spezialdisziplin: "ORF-Bashing", gewisse Grenzen gibt.

Um Missverständnisse hintanzuhalten, sage ich es klar heraus: Als Journalist bin ich durchaus für zugespitztes Argumentieren und bissiges Formulieren zu haben. Selbiges gilt für fundierte Polemik und pointierte Schärfe.

Was Ihnen, geschätzter (Ex-)Kollege Kräftner, allerdings da aus der Tastatur gesprungen ist, ist nicht nur jenseits aller Geschmacksgrenzen, es überschreitet auch die Grenzen eines öffentlichen Anstands, wenn man schon nicht von Moral und Menschlichkeit reden will.

Warum nicht gleich Napalm auf den Küniglberg und Agent Orange ins Funkhaus (ist übrigens dieselbe Firma wie die von "Roundup")? Geht nicht noch ein bisschen mehr in der Metaphorik? Beim nächsten mal statt Unkraut Ungeziefer? Gab es das nicht schon mal?

Zwei Fragen zuletzt noch an die geschätzte Chefredaktion und Herausgeberschaft (die Republik Österreich) der "Wiener Zeitung":
Sollen "Grenzüberschreitungen" dieser Unart die Auflage steigern? Und wie gedenkt man hier zu reagieren, wenn Ähnliches, was ich mir weder wünsche noch vorstellen will, demnächst über die Belegschaft Ihres Blattes oder - um es noch indifferenter anzugehen - gleich über das "österreichische Beamtentum" zu lesen sein wird?

Achtungsvoll!

Rückfragen & Kontakt:

ORF
Dr. Gerhard Moser
Tel.: 01 87878 12400

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