Kuratorium Wald: Lassen wir uns keinen Bären aufbinden!

Wien (OTS) -

  • Geplante Bäreneinbürgerung von WWF, Bundesforsten und OÖ Nationalpark Kalkalpen IUCN-richtlinienwidrig
  • Kuratorium Wald fordert sofortigen Stopp der Braunbärenaussetzung und mehr Seriosität beim Artenschutz in Österreich

"Ziel eines seriösen Naturschutzvereines muss die Bewahrung der Artenvielfalt sein. Was die Aussetzungspläne des Braunbären in Österreich betrifft, ist aufgrund der bestehenden Fakten und geltenden Richtlinien jedoch Vorsicht geboten", sagt Mag. Matthias Pölzer vom Kuratorium Wald. Der Braunbär wurde in der Alpenrepublik vor über 150 Jahren ausgerottet und tauchte 1972 erstmals wieder auf. Ein vom WWF Österreich durchgeführtes Wiedereinbürgerungsprojekt wurde eingeleitet, weitere Bären wurden 1989 bis 1993 ausgesetzt. Zuletzt ist die Population allerdings rapide und ohne erklärbare Ursache gesunken. "Das ehrgeizige Artenschutzprojekt ist damit gescheitert. Statt die Ursachen des Verschwindens zu erheben und zu beseitigen, will man die gescheiterte Aktion einfach wiederholen. Dabei werden enorme Finanzmittel für so genannte Artenschutzlieblinge verschleudert und viele andere höchst gefährdeten Arten schlichtweg ignoriert", so Pölzer.

Braunbärenaussetzungsplan ist IUCN-richtlinienwidrig

Um die Effizienz von Wiedereinbürgerungsprojekten zu steigern, erarbeitete die Weltnaturschutzunion IUCN eine Richtlinie. "Die Identifizierung und Beseitigung der ursprünglich für den Niedergang verantwortlichen Faktoren ist dabei Voraussetzung für die Durchführung von Auswilderungsprojekten. Erst wenn die Gründe für das bisherige Scheitern einwandfrei auf dem Tisch liegen und effektive Gegenmaßnahmen getroffen werden können, kann ein auf den Richtlinien der IUCN basierendes Wiederansiedlungsprojekt gestartet werden", so Pölzer.

Keine öffentlichen Mittel für geplante Bärenauswilderung

Nur so kann das Ziel einer langfristigen Etablierung der Bären in Österreich erreicht und verhindert werden, dass für das Artenschutzprogramm "Stopp dem Artenverlust 2010" dringend benötigte Geldressourcen verschwendet werden. Angesichts der IUCN-Richtlinienwidrigkeit des aktuellen Braunbären-Auswilderungsprojektes dürfen nach Rechtsansicht des Kuratoriums Wald für das Aussetzungsprojekt keine öffentlichen Geldmittel - weder vom Umweltministerium noch vom Land Oberösterreich noch vom Nationalpark Kalkalpen - herangezogen oder verwendet werden.

Behördliche Genehmigungen und Zustimmung der Jägerschaft notwendig

"Laut Jagdgesetzen und IUCN-Richtlinie muss vor der Wiedereinbürgerung des Braunbären die Zustimmung der betroffenen Jägerschaft, der Grundeigentümer, des Landes bzw. der Bezirksverwaltungsbehörden vorliegen. Ein Start der Auswilderung wäre rechtswidrig, und aufgrund der wachsenden Ablehnung von Braunbären in unserer Kulturlandschaft zum Scheitern verurteilt", so Pölzer. Aufgrund seiner Verpflichtung gegenüber der IUCN und zur Wahrung seines Rufes als seriöser Naturschutzverein, täte der WWF gut daran, punkto Bärenprojekt richtlinienkonform vorzugehen - dies gilt genau so für den Direktor des Nationalpark Kalkalpen, Dr. Erich Mayerhofer, sowie für die staatlichen Bundesforste.
Die logische Konsequenz punkto Bärenpolitik lautet: "Zuerst Ursachenerforschung, dann Behebung der Ursachen und darauf basierend neuerlicher Versuch der Auswilderung unter Einbeziehung sämtlicher Interessengruppen und auch aller NGOs", so das Kuratorium Wald.

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Kuratorium Wald, Mag. Matthias Pölzer
Alserstr. 37/16, 1080 Wien
Tel. 01/4065938
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