Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Das Kabinett Häupl-Pröll"

Ausgabe vom 1. Juli 2008

Wien (OTS) - Das Selbstlob der beiden großen Fußballverbände Fifa und Uefa ist ein bisschen zu penetrant. Vor allem ihre antirassistische Rhetorik bei der Euro war mehr als fragwürdig. Wo blieb etwa ihr lautes Gutmenschtum, als die Uefa auch die vielen noch immer zu großer Sparsamkeit gezwungenen Fans aus Osteuropa nötigte, für einen - überdies wenig schmackhaften - Becher Bier gleich 4,50 Euro zu zahlen? Ist diese Methode, die eigenen Kassen zu füllen, nicht auch praktizierter Rassismus? Und wenn nun blöden Sprechchören penibel nachgegangen wird, um Strafen über Teilnehmerländer zu verhängen, muss man schon fragen: Und wie halten es die hohen Sportfunktionäre mit anderen, viel massiveren Menschenrechtsverletzungen?

Was tun sie etwa im Iran, wo Frauen bei Fußballspielen nicht einmal zuschauen dürfen? Was tun sie in China, wo Tibetaner und Uiguren entrechtet, wo der Gebrauch der Meinungsfreiheit mit langer Folterhaft bestraft, wo harmlose Religionen brutal verfolgt werden, wo die Organe unschuldig Hingerichteter zu Weltmarktpreisen verkauft werden? Da heißt es plötzlich: Man solle gefälligst Sport von Politik trennen. Ziemlich verlogen, das Ganze.

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Die Herren Gusenbauer, Molterer und auch Faymann können einem -ganz ohne Zynismus - leid tun. Trotz aller zum Teil gravierender Fehler. Aber noch viel widerlicher als ihre Fehler sind die ständigen Stänkereien, die sie sich von einem Michael Häupl, einem Erwin Pröll oder einem Franz Voves anhören müssen. Diese sitzen auf den angenehmsten Posten der Republik. Sie müssen nie unpopuläre Entscheidungen treffen, sondern nur darüber nachdenken, wie sie das Geld ausgeben, das sie dem Bund beim Finanzausgleich unter gemeinsamen Pressionen abgenommen haben: für noch mehr Feste, Festivals und andere Seitenblicke-Termine, für überzählige und überbezahlte Landesbeamte und vor allem für die eigene Beweihräucherung. Dieser Weihrauch dampft - in natürlich ganz zufälliger Parallelität - vor allem in jener Sex-and-Crime-Zeitung, die seit kurzem die Außenpolitik dieses Landes ins Schlingern bringt.

Aber haben, so meinen viele, die Herren aus den Bundesländern nicht meistens recht?

Wer so fragt, sollte sich einmal kurz eine Bundesregierung Häupl-Pröll plus einen Minister Voves vorstellen. Dann weiß er die Antwort.

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