Küng: Homo-Partnerschaft nicht mit Ehe gleichstellen

"Familien-Bischof" in "Presse"-Interview: "Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden" - Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau erfüllt für Gesellschaft wichtige Aufgaben, "die ein homosexuelles Paar nicht erbringen kann"

Wien, 30.6.08 (KAP) Die Kirche lehnt den Entwurf des neuen Lebenspartnerschaftsgesetzes ab, weil damit für homosexuelle Partnerschaften "mit Ausnahme des Rechtes auf Adoption" eine möglichst vollständige Gleichstellung mit der Ehe angestrebt wird. "Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden, ohne ungerecht zu werden", stellte "Familien-Bischof" Klaus Küng am Montag in einem "Presse"-Interview fest. Die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau sei von ihrem Wesen her sowohl auf gegenseitige Hingabe als auch auf Nachkommenschaft und Erziehung der Kinder ausgerichtet. Sie erfüllt nach den Worten des St. Pöltner Bischofs für die Gesellschaft wichtige Aufgaben, "die ein homosexuelles Paar nicht erbringen kann". Würde einer homosexuellen Partnerschaft die gleiche Rechtsstellung wie einer Ehe eingeräumt, käme dies einer "Bagatellisierung der Ehe" gleich.

Dann werde auch unverständlich, warum anderen Lebensgemeinschaften wie z.B. zusammen lebenden Geschwistern nicht die gleichen Vorteile wie einer Homo-Partnerschaft eingeräumt werden. Im Falle einer Beschlussfassung des Lebenspartnerschaftsgesetzes durch das Parlament wäre eine weitere Aushöhlung der Ehegesetzgebung zu erwarten - deren nachfolgende Novellierung sei ja bereits angekündigt, erinnerte Küng.

Ja-Wort am Standesamt "irreführendes Zeichen"

Der Bischof sprach sich auch gegen jegliche Symbolik aus, die eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ausdrückt:
"Besonders das Ja-Wort vor dem Standesamt ist ein irreführendes Zeichen". Für die katholische Kirche und andere Religionsgemeinschaften könnte - so Küng - "zudem eine große Schwierigkeit entstehen, wenn der Paragraf 3 des Entwurfes – das absolute Diskriminierungsverbot – so stehen bleibt, wie er jetzt formuliert ist" (im Wortlaut: "Niemand darf wegen seiner Lebenspartnerschaft diskriminiert werden"). Die Forderung nach einer Differenzierung dieser Formulierung bedeute nicht eine generelle Geringschätzung oder abwertende Beurteilung homosexuell geneigter Personen, stellte Küng zugleich klar. Es gehe aber darum, "dass für die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben z.B. in der Kirche die Gesamtpersönlichkeit bestimmte Voraussetzungen mitbringen muss. Dazu gehört auch die sexuelle Orientierung".

Kompromisse in Bezug auf die Partnerschaftsgesetzgebung seien für die katholische Kirche "in jenen Belangen denkbar, wo es um Anliegen wie die Bereitschaft zu gegenseitiger Fürsorge geht". Dabei könnten auch ohne Heranziehung des Ehe- und Familienrechts gute Lösungen gefunden werden, meinte Küng.

Mehrheit der Bevölkerung denkt auch so

Unterstützung für die kirchliche Haltung sieht der "Familien-Bischof" in Teilen der ÖVP, wo "eine ganze Reihe maßgeblicher Politiker eindeutig gegen den vorliegenden Entwurf" sei. Küng sieht auch eine Kongruenz mit der Mehrheit der Bevölkerung, die die Familie auf der Grundlage der Ehe für grundlegend und unersetzbar ansehe und die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ablehne. Dass die evangelische Kirche eine andere Haltung zu homosexuellen Partnerschaften einnimmt, bedeute "eine gewisse Enttäuschung" darüber, "dass manche, mit denen einen vieles verbindet, nicht mitziehen". Küng unterstrich seine Überzeugung, dass alle jene, denen die christlichen Werte wichtig sind, "die Lobbyingarbeit verbessern und die Stimme möglichst auch gemeinsam erheben sollten, um die für jedes Volk grundlegenden Werte zu verteidigen". Damit könnte "viel Positives erreicht" und "so manche Katastrophe vermieden werden", sagte Küng. (ende)
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