Österreich: Erneuter Anstieg von Tierversuchen bedeutet Rückschritt um Jahrzehnt

Wien (OTS) - Wie der am Freitag veröffentlichten amtlichen Tierversuchsstatistik zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2007 an 197.867 lebenden Tieren schmerzhafte und leidvolle Experimente und Tests durchgeführt, die für die meisten Tiere tödlich geendet haben. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Anstieg rund 4 Prozent und setzt damit den besorgniserregenden Trend der stetigen Zunahme von Tierversuchen in Österreich fort.

Für Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), ist die seit dem Jahr 2000 zu beobachtende, nahezu kontinuierliche Zunahme der Anzahl der Versuchstiere eine unerträgliche Situation: "Für den Tierschutz bedeutet der Anstieg auf 197.867 Tiere einen Rückfall um ein ganzes Jahrzehnt", erklärt Gerda Matias. Schließlich wurden im Jahr 1997 rund 30.000 Tiere weniger verbraucht (168.696), was jenem erfreulichen Abwärtstrend entsprach, der in den Jahren 1992 bis 1999 vorherrschte.

Vor diesem Hintergrund fordern die TierversuchsgegnerInnen alle für die Tierversuche verantwortlichen und zuständigen BehördenvertreterInnen und PolitikerInnen auf, endlich wieder die oberste Zielvorgabe des Tierversuchsgesetzes zu erfüllen und Tierversuche zu reduzieren und zu ersetzen.

Zudem müssen weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Tierversuchen gesetzt werden. Maßnahmen, die sich nachhaltig auf die Tierversuchsstatistik auswirken und die über die nach wie vor dringend notwendige Förderung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen hinausgehen.

In diesem Sinne sind etwa alle Tierversuche, für die es inzwischen etablierte Alternativmethoden gibt, zu verbieten. Ebenso all jene Tierversuche, die für die Tiere mit so großen Schmerzen und Leiden verbunden sind, dass diese durch den zu erwartenden Erkenntnisgewinn nicht zu rechtfertigen sind. Aber vor allem sind Tierversuchsprojekte und Tierversuchseinrichtungen, aber auch Unternehmen, die Tierversuche durchführen, nicht länger mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen und zu fördern. Denn so lange für die Finanzierung von Tierversuchen ein Vielfaches von dem ausgegeben wird, was für die Entwicklung von Ersatzmethoden zur Verfügung steht, kann es zu keiner wesentlichen Reduktion der Tierversuche kommen.

Die Versuche, die definitionsgemäß mit großen Qualen, Leiden und Schmerzen verbunden sind, enden für die meisten Tiere tödlich. "Kaum ein Tier überlebt die in völliger Trostlosigkeit hinter verschlossenen Gittern eines sterilen Labors verbrachte Existenz als lebendes Testobjekt", resümiert Gerda Matias die grausame Realität der Versuchslabore.

Nach wie vor sind Mäuse (158.464) die am häufigsten verwendeten Versuchstiere, gefolgt von Kaninchen (19.864). Ihnen folgen in absteigender Reihenfolge Ratten, Meerschweinchen, Schweine, Fische, "Andere Vögel", Rinder, Amphibien, Schafe, Hamster, "Andere Nager", Ziegen, Affen, Reptilien, Pferde, Esel, Hunde und zuletzt Katzen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2006 wurden weniger Katzen, Fische, Hunde, "Andere Vögel", Rinder, Ratten und "Andere Nager" zu Experimenten herangezogen - alle anderen Tierarten wurden in vermehrten Maße eingesetzt.

Die meisten Tiere wurden für die Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin (94.389; 47,7 %) und zur Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human- und Zahnmedizin (49.421; ca. 25 %) eingesetzt.

Die größte Anzahl der Tiere (145.241; 73 %) fällt in das Ressort des Gesundheitsministeriums, das auch den alarmierenden Anstieg von über 11 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen hat. Davon wurden die meisten Tiere (134.363; 92,5%) zur Forschung und Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

An zweiter Stelle folgt das Wissenschaftsministerium mit 45.974 Tieren, was einem Anteil von über 23 % entspricht und gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung von knapp 10 % bedeutet. Fast drei Viertel der Tiere (33.338) wurden in der Grundlagenforschung verwendet.

Das Wirtschaftsministerium meldete den Verbrauch von 4.395 Tieren, um fast 2 % mehr als im Vorjahr. 60 % der Tiere (2.633) wurden in der Grundlagenforschung eingesetzt.

Das Umweltministerium verzeichnet 2.257 Versuchstiere, das sind erfreulicherweise rund 49 % weniger als im Vorjahr.

Nur ein Drittel der Tiere stammt aus österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen. Fast drei Viertel kommen "aus anderen Quellen innerhalb der EU".

Der Internationale Bund der Tierversuchsgegner (IBT) ist ein seit 1968 bestehender gemeinnütziger unabhängiger Verein. Er setzt sich für die Abschaffung aller Tierversuche ein und lehnt Tierversuche aus ethischen, wissenschaftlichen, medizinkritischen und verbraucherpolitischen Gründen ab.

Anlässlich seines heurigen 40jährigen Bestehens stiftet der IBT einen Preis für tierversuchsfreie Forschung. Einreichungen sind bis 6. Oktober möglich. Der Preis ist mit 7.000 Euro dotiert und wird an ForscherInnen vergeben, die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen. Mehr dazu unter: www.tierversuchsgegner.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 0676/583 67 62
E-Mail: rathmanner@tierversuchsgegner.at

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