• 26.06.2008, 17:05:41
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Bank Austria ohne Osteuropa ist nun da - von Alexis Johann

Unfreiwillig ist die Bank zum Vorreiter eines Trends geworden

Wien (OTS) - Alessandro Profumo, Kopf des Bankenwunders UniCredit,
agiert für gewöhnlich sehr direkt. Seinen Vorstandskollegen brachte
er schon einmal mittelalterliche Kostüme mit, um zu zeigen, für wie
fortschrittlich er ihre Ideen hält. Managern der 2005 übernommenen
bayrischen HVB zeigte er gleich nach der ersten Gesprächsrunde die
rote Karte. Gegenüber der Bank Austria bewies der Bankgeneral
allerdings, dass er mit dem Wiener Charme durchaus mithalten kann -
der vorne freundlich vorauseilt, aber hinten ein Stückchen
Hinterfotzigkeit verbirgt.

In einer Nachtsitzung des 14. März zog Profumo so den damaligen
Co-Eigentümer AVZ-Stiftung, sowie BA-CA-Chef Erich Hampel und den
Betriebsrat über den Tisch. Die BA-CA werde für alle
Osteuropa-Aktivitäten verantwortlich sein, versprach er damals
zuckersüß, Hampel werde sie führen. Dafür verlangte er scheinbar
wenig: Das Investmentbanking gehe nach München und der "Bank der
Regionen"-Vertrag, der der BA-CA volle Autonomie zusicherte, müsse
"adaptiert" werden. Das Österreich-Geschäft könne nach fünf Jahren in
eine eigene Österreich-Bank eingebracht werden. Die Spaltung des
schwierigen Österreich- vom lukrativem Ostgeschäft der Bank Austria
wurde in dieser Nacht fixiert. Bis dahin hatte die größte heimische
Bank genau das getan, was die meisten heimischen Unternehmen stark
macht: Durch die Ostexpansion harte Einschnitte am Heimmarkt zu
vermeiden.

Seit gestern ist damit Schluss. Ausgerechnet zu seinem Wien-Besuch
gab Profumo bekannt, in Westeuropa 10.000 Mitarbeiter abbauen zu
wollen. Viele werden Italiener sein, wenige Deutsche und eine ganze
Menge Österreicher. UniCredit bereitet also vor, was 2011 völlig
transparent wird: eine Bank Austria ohne Osteuropa. Dann müssen die
Ertragszahlen auf das eingesetzte Kapital auch ohne Zurechnung
wachsender Ost- und Süd-Märkte glänzen. Dann darf es nicht eine
Filiale zuviel und nicht einen unterforderten Mitarbeiter geben.

Unfreiwillig ist die Bank Austria damit zum Vorreiter eines Trends
geworden, der andere heimische Betriebe erreichen wird. Das
Ostgeschäft steht auf eigenen Beinen und benötigt den Schub aus
Österreich nicht mehr. Der Heimmarkt muss sich nun wieder alleine
rechnen. Mitarbeiterabbau reicht dafür aber nicht. Über die Ziellinie
gelangt nur, wer auf die Markterweiterung eine Phase der Innovation
und Produkterweiterung folgen lassen kann.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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