• 26.06.2008, 12:13:40
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Köck beim Wirtschaftsparlament: Österreich braucht eine Gesundheitsreform!

Gesundheitsökonom Christian Köck hält Sozialpartnervorschlag für "wichtigen ersten Schritt auf einem langen Weg zur Verbesserung des österreichischen Gesundheitssystems"

Wien (PWK499) - Der profilierte österreichische Gesundheitsökonom
und Universitätsprofessor Christian Köck hielt in seinem
Eröffnungsvortrag beim heute stattfindenden Wirtschaftsparlament der
Wirtschaftskammer Österreich ein Plädoyer für eine Gesundheitsreform
in Österreich. "Wir müssen zu allererst aufhören, der Bevölkerung
vorzugaukeln, dass wir das weltbeste Gesundheitssystem zu günstigen
Preisen haben. Wir haben ein gutes, aber ineffizientes und viel zu
teures System mit Überversorgung in verschiedensten Bereichen",
erklärte Köck. "Deshalb ist eine Gesundheitsreform in Österreich
unerlässlich und der Sozialpartnervorschlag dazu stellt einen
wichtigen ersten Schritt auf einem langen Weg zu einer
Gesundheitssystem-Verbesserung dar." Die Wirtschaft trage 60 Prozent
der Ausgaben für das System und habe deshalb zu Recht entsprechendes
Interesse an einer Optimierung der Gesundheitsversorgung.

Dass die Gesundheitsreform-Diskussion nicht friktionsfrei abläuft,
hält Köck für kein österreichisches Phänomen, sondern das liege in
der Natur der Sache: "Gesundheitsreformen gehören zu den
schwierigsten Themen für Staaten, und vielfach tragen
Fehlinformationen zu den heißen Konflikten bei." Diese müsse man
sukzessive ausräumen, um den Weg für eine echte Reform
freizuschaufeln. So sei zB die Qualität des Systems ein Streitpunkt.
Diese sei aber nicht wirklich messbar, da es keine aussagekräftigen
Qualitätsinformationen zur österreichischen Gesundheitsversorgung
gebe, kritisierte Köck. Auch die Systemkosten seien international
schwer vergleichbar und liegen in Österreich höher als vielfach
angenommen.

Falsch sei weiters die Annahme, dass man noch mehr Ressourcen
benötige und mehr Ressourcen automatisch eine höhere Qualität
bedeute. "Das Gegenteil ist der Fall", stellte Köck klar und zeigte
auf, dass man nur durch Bündelung und Zentralisierung verschiedenster
therapeutischer und diagnostischer Leistungen beim aktuellen System
eine Qualitätssteigerung erreichen kann. Konkret bedeute dies: "Wir
haben erstens zu viele Kranken-/Akutbetten in zu vielen kleinen
Krankenhäusern, die zu viele Leistungen anbieten. Wenn man eine
bestimmte Art von Operation einmal die Woche vornimmt, liegt die
Qualität sicher unter jener von spezialisierten gebündelten
Einrichtungen, die diese 250 mal im Jahr machen", führte Köck, der
selbst promovierter Mediziner und Arzt ist, als Beispiel an. Zudem
gebe es eine Überversorgung bei Computertomographen (CT) und auch bei
der Häufigkeit an Mandeloperationen in Österreich im Vergleich zu
anderen Ländern zeige sich eine "stark angebotsinduzierte Nachfrage,
die nicht Effizienz und Qualität bedeutet."

"In Österreich fehlt ein gesunder Qualitätswettbewerb", zeigte
sich Köck überzeugt, der insbesondere bei der Ärztekammer ein echtes
Bemühen zu einer qualitativen Verbesserung der Gesundheitsversorgung
vermisst. "Allein das Festhalten an der Unkündbarkeit der
Kassenverträge ohne Überprüfung und Änderungsmöglichkeiten, spiegelt
die starre Grundhaltung wider und wäre in der Wirtschaft in keinster
Weise vorstellbar." Deshalb sei auch hier der Widerstand zu der
absolut notwendigen Reform am stärksten, meinte Köck.

Österreich habe aber die moralische Verpflichtung, ein
Gesundheitssystem qualitativ hochwertig und effizient zu erhalten,
sonst sei die Gesundheitsversorgung nicht mehr für alle - unabhängig
von Bildung und Einkommen - möglich, machte Köck abschließend auf
einen entscheidenden Punkt aufmerksam: "Leidtragende eines
unreformierten Systems wären nämlich gerade die sozial Schwächeren,
also jene Zielgruppe, für die unser Gesundheitssystem in erster Linie
geschaffen ist." (Ne)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich
   Stabsabteilung Presse
   Mag. Markus Nepf 
   Tel.: (++43) 0590 900-4599
   Fax: (++43) 0590 900-263
   mailto:markus.nepf@wko.at
   http://wko.at/Presse

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