- 26.06.2008, 06:14:20
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Charakterlos und würdelos" (Von Michael SPRENGER)
Ausgabe vom 26. Juni 2008
Innsbruck (OTS) - Die Landtagswahlen brachten vor allem eines zu
Tage. Die Sesselkleber sind in der Mehrheit. Allerorten.
Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten." Angesichts
der politischen Zustände in Tirol seit der Wahl vom 8. Juni erinnert
man sich voll Bitterkeit an das Brecht-Zitat. LH Herwig van Staa
wurde dazu genötigt, freiwillig die Konsequenzen zu ziehen. Aber
warum eigentlich nur er? Können die anderen aus der VP-Mannschaft
tatsächlich mit Fug und Recht behaupten: An uns lag es nicht, dass
wir fast zehn Prozentpunkte verloren haben. Keiner stellte sich
bisher vor die Kamera und sagte: "Ich habe die Zeichen der Zeit
erkannt. Ich trete zurück."
Doch im Vergleich zur ÖVP agieren die Sozialdemokraten hingegen
geradezu charakterlos und würdelos. Die SPÖ, erstmals in Tirol nur
noch drittstärkste Kraft und seit zehn Tagen eine Kleinpartei, geht
wieder in eine Koalition mit der Tiroler VP. Aber was will man von
einer Partei erwarten, die sich schon vor fünf Jahren mit der VP ins
Koalitionsbett gelegt hatte, obwohl diese mit einer absoluten
Mandatsmehrheit ausgestattet war. Nein, so hart darf man nicht ins
Gericht gehen. Immerhin plant Parteichef Hannes Gschwentner doch
Konsequenzen. Er will Hans Lindenberger, den zweiten SPÖ-Landesrat,
austauschen und selbst bleiben.
Zu guter Letzt sind noch die Grünen zu erwähnen. Auch sie haben am
8. Juni verloren, und zwar massiv. Doch weil sich die Grünen sehr
bemühen, so zu werden, wie jene Parteien, die sie mit erhobenem
Zeigefinger maßregeln, bleibt natürlich Georg Willi Parteichef der
Grünen.
Aber was regen wir uns auf. Es waren doch nur Landtagswahlen.
Alles bleibt beim Alten.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610
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