WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vom österreichischen Fußball lernen - von Alexis Johann

Investoren wären das schönste Geschenk von Österreich für die Ukraine

Wien (OTS) - Es wird keine Urlaubsreise sein, die Kanzler Alfred Gusenbauer Mitte Juli zu Regierungschefin Julia Timoschenko in die Ukraine führt. Im Gegenteil: Beide sitzen auf wackeligen Stühlen und werden sich Trost zusprechen. Dann werden sie über die Fußball-EM 2012 nachdenken, die in der Ukraine und Polen stattfinden soll. Die rot-weiß-rote Delegation kann ihren Gastgebern taufrische Berichte aus Wien mitbringen. Nur, welchen Rat wird Gusenbauer erteilen? Polen und Ukraine laufen gerade Gefahr, das Großevent zu verlieren, weil es bei der Errichtung des Lemberger Stadions und beim Umbau der Kiewer Großarena, die 84.000 Zuschauer fasst, hapert. Für UEFA-Präsident Michel Platini läuft die Vorbereitung zu langsam, die Infrastruktur müsse 2010 vollendet sein. Noch gibt es aber gar nichts - außer Streit. Unverhohlen droht er, das Großevent in einem anderen Land auszutragen. Schottland hat bereits Interesse angemeldet, Deutschland könnte auch. Experten glauben allerdings, und das wird Gusenbauers Mission heikel machen, auch Österreich und die Schweiz hätten Chancen, als Ersatzveranstalter einzuspringen.

Dennoch wird sich Gusenbauer für die Ukraine einsetzen - und dass hat nichts mit einer möglichen Allianz der Wackeligen zu tun. Der Kanzler wird von einer heimischen Wirtschaftsdelegation begleitet, die auf Großaufträge hofft. Alleine für die Alpine geht es beim Bau des Lemberger Stadions um ein Projektvolumen von rund 85 Millionen Euro. Wie können die Österreicher den Ukrainern helfen, das Fest zu retten?

Etwa, indem sie helfen, das gigantische Finanzierungsvolumen von 16 Milliarden Euro aufzustellen. 80 Prozent davon sollen von privaten Investoren kommen, und gerade daran könnte es scheitern. Auch die Alpine hat nach eigenen Angaben niemanden gefunden, der das Lemberger Stadion finanzieren will. Österreichs Kanzler kann also entweder Kredite und Investoren als Gastgeschenk mitbringen, wie es England bereits im Jänner getan hat, oder einen Erfahrungsaustausch der offenen Art anbieten.

Schließlich stand auch die schweiz-österreichische Bewerbung mehrmals auf des Messers Schneide. 2004 konfrontierte die UEFA Österreich und Schweiz mit einer ähnlichen Drohung wie heute die Ukraine. Unter anderem, weil in Klagenfurt der private Financier abgesprungen war. Am Ende finanzierten Stadt und Land den Bau. Und so wie es aussieht, wurde in Österreich schon fleißig gerechnet, ob sich die öffentlichen Investitionen über Umwege rentiert haben. Der beste Tipp muss aber lauten: Nur keine Angst - so laut die UEFA auch bellt, sie wird am Ende nicht beißen.

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