"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hickersbergers Abschied darf nicht zum Rückschritt werden" (von Michael Schuen)

Ausgabe vom 25.06.2008

Graz (OTS) - Fußball ist ein Phänomen. Keine andere Sportart, überhaupt wenige andere Ereignisse, können ganze Länder und Völker derart in ihren Bann ziehen. Trotzdem ist Fußball ein in sich geschlossener Mikrokosmos. Es gibt nur einen Weg, um sich einen Namen in der Welt des runden Leders zu machen oder von dieser gar akzeptiert zu werden: Den Ball selbst getreten zu haben, wenn möglich besser als alle anderen. Alles, was von außen kommt, soll draußen bleiben, lautet die Devise, der Fußball(er) weiß selbst am besten, wie es geht.

Österreich ist in dieser Hinsicht, wie so oft, noch ein wenig extremer. Seit jenem glorreichen Tag 1978, als Deutschland besiegt wurde. Seither sind jene, die damals mitspielten, Legenden. Allwissend noch dazu. Die Helden von damals rissen sich den österreichischen Fußball unter den Nagel, filetierten ihn, teilten den Kuchen untereinander auf - und bestimmten. Wohl wissend, dass sie den Trumpf des Sieges ausspielen können, bis dieser wiederholt wird. Worauf man seither vergebens wartet.

Josef Hickersberger war einer dieser 78er-Helden, als Trainer beileibe nicht der erfolgloseste. Hickersberger hat, das kann man ihm nicht absprechen, neue Wege eingeschlagen. Er akzeptierte, dass in Österreich keine Topstars à la Cristiano Ronaldo zu finden sind. Aber er wusste, dass auch seine Fußballer zumindest so fit sein können wie diese. Er trainierte so, wie es Fußball-Österreich bisher nicht kannte. Und siehe da: Die Österreicher hechelten zumindest nicht hinterher. Zum sportlichen Erfolg hat das nicht gereicht. Für die Kritiker, viele von ihnen einst Teamkollegen, reicht das, um quer zu schießen. Die Hackl'n flogen tief nach dem Aus der Österreicher. So tief, dass Hickersberger von sich aus den Bremsfallschirm zog.

Jetzt steht Österreichs Fußball vor der Nachfolge-Frage. Wenig überraschend kursieren viele Namen der 78er-Generation. Ohne all jenen, die sich nun beleidigt fühlen, die zweifellos vorhandene Kompetenz abzusprechen: Gerade jetzt hat Österreichs Fußball die Chance, sich aus diesen Fesseln zu befreien. Den 78er-Dunstkreis zu verlassen, von der Vergangenheit auf Zukunft umzuschalten.

Und gerade jetzt muss dieser Schnitt auch erfolgen, um sich weiterzuentwickeln. Mit einem Mann, der frischen Wind bringt und Hickersbergers Weg verfeinert. Mit einem Mann, dessen Namen dazu angetan ist, sogar die 78er-Legenden in ihrer Kritik zu bremsen. Alles andere wäre Stillstand - und damit ein großer Schritt zurück. ****

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