"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Wie man Minister wird"

Ideal und Realität bei der Entscheidungsfindung klaffen auseinander.

Wien (OTS) - Wie wird man eigentlich Minister? Und kann wirklich jeder alles?
Landläufig wird angenommen, dass ein Mann oder eine Frau vom Fach die Idealbesetzung für ein Ministeramt sind. Das ist aber, schlag nach bei der Lehrerin Gehrer oder den Ärzten Ausserwinkler und Kdolsky, in der Praxis nicht so.
Ein Minister muss vom Fach so viel verstehen, dass er nicht zu fachblind ist; muss dialogfähig mit Lobbys sein, aber auch durchsetzungsfähig; muss ein Kabinett seines Vertrauens bilden und sich im Ameisenhaufen eines Ministeriums Akzeptanz erwerben können; muss Kompetenz ausstrahlen auch im Regierungsteam.
Und die Praxis? Frau Silhavy wurde Frauenministerin, damit Herr Schieder als Staatssekretär nachrücken und Doris Bures sein Nationalratsmandat übernehmen kann.
Josef Pröll werden Gelüste auf das Innenministerium nachgesagt, weil es mehr Profilierungschancen bietet.
Die ÖVP-Bünde zeigen auf, weil das Ministeramt gefälligst nach innerparteilichem Proporz zu vergeben ist.
Heißt alles nicht, dass am Ende nicht ein guter Minister rauskommt. Nur Ideal und Realität bei der Entscheidungsfindung klaffen ein bisschen auseinander.

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