Volksblatt: "Pokerrisiko" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 19. Juni 2008

Linz (OTS) - Von Gusenbauers Seite ist das Kalkül klar: Er hat
sich mit der Ämtertrennung "sein" Kanzleramt noch ein bisschen erhalten. Sein Nachfolger an der SPÖ-Spitze, Werner Faymann, hat sich dagegen auf ein Hochrisiko-Spiel eingelassen - entweder, weil er vor vollendete Tatsachen gestellt wurde und es sich nicht leisten wollte, "Nein" zum Vorsitz zu sagen. Und/Oder, weil er sicherstellen wollte, einen Fuß im Kanzleramt zu haben ehe es mit SPÖ-Konkurrenten um das Amt zu ernst wird.
Faymann wagt ein Pokerspiel mit hohem persönlichen Einsatz. Die SPÖ will von ihm Kanten und wird sich dabei nicht nur mit harten Worten samt charmantem Lächeln abspeisen lassen. Zugleich ist auch er ans Regierungsprogramm gebunden, das wenig Raum für alt-rote Profilierungen lässt. Die mit Buchinger und Gusenbauer fixierte Pensionsautomatik ist das erste Beispiel, dass die Alternative zu den verlorenen Koalitionsverhandlungen für die SPÖ im Grunde nur Neuwahl heißen kann - die aus ÖVP-Sicht dann wieder flott kommen sollte, um Faymanns Profilierungschancen einzudämmen. Faymann bewegt sich in einem Risikofeld, auf dem Karrieren und Koalitionen leicht zerbröseln können.

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