Ludwig: "Wie viel ist Ihnen der Klimaschutz wert, Herr Minister?"

"Leistbarkeit des Wohnens muss oberste Priorität bleiben"

Wien (OTS) - "Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass nun auch der Bund beginnt, seine umweltpolitische Verantwortung wahrzunehmen und offensichtliche Defizite, die auch schon vom Rechnungshof kritisiert wurden, zu beseitigen. Nach langen intensiven Verhandlungen mit den Vertretern der Länder liegt nun ein sinnvoller Vorschlag auf dem Tisch, der sich in weiten Teilen an der erfolgreichen Wiener Wohnbaupolitik orientiert. Beispielhaft ist hier etwa die Zweckbindung der Wiener Wohnbauförderungsmittel, aber auch die gelungene Verbindung von sozialem Wohnbau mit gezielten Maßnahmen zum Klimaschutz. Bei allen Bemühungen muss die sozialpolitische Funktion der Wohnbauförderung als das zentrale Instrument zur Schaffung und Sicherung leistbarer Wohnräume aber oberste Priorität behalten und darf nicht in Frage gestellt werden. Dass dies durch den effizienten Einsatz der Wohnbauförderung möglich und machbar ist, beweist die Stadt Wien seit vielen Jahren", kommentierte der Wiener Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig, heute Mittwoch, die Aussagen von Umweltminister Pröll. Eine verstärkte Schwerpunktsetzung auf Sanierung und den Umstieg auf alternative Energieträger sei wichtig und richtig, und daher grundsätzlich zu begrüßen. "Bisher hat es der Bund verabsäumt, diese Zielsetzung mit einer Erhöhung der finanziellen Mittel zu unterstützen, ganz im Gegenteil, die Wohnbauförderungsmittel sinken real von Jahr zu Jahr. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie viel dem Umweltminister der Klimaschutz wert ist", unterstrich Ludwig.

In Wien werden die Mittel der Wohnbauförderung im Rahmen des Zweckzuschussgesetzes ausschließlich für den Bereich Wohnen verwendet. Dabei setzt Wien auf drei Säulen: die Neuerrichtung von Wohnräumen, die Sanierung bestehender Altbauten und die Subjektförderung, also die direkte finanzielle Unterstützung sozial Schwächerer. Diese sozialpolitische Aufgabe der Wohnbauförderung muss auch in Zukunft im Vordergrund stehen, daher legt das Land Wien höchstes Augenmerk darauf, dass die Verteilung der Förderungsmittel auf Neubau, Sanierung und Subjektförderung auch weiterhin im Ermessen des Landes bleibt. "Es ist für die Wohnqualität der Wienerinnen und Wiener von besonderer Relevanz, dass die Wohnbaupolitik auf geänderte Anforderungen reagiert, daher muss die Entscheidungskompetenz, welche Lösungen die Länder auf aktuelle Bevölkerungsentwicklungen oder Änderungen in der Demographie entwickeln, in den Händen der Länder bleiben", unterstrich Ludwig.

Wiener Wohnbau führend im Klimaschutz

Der geförderte Wohnbau in Wien nimmt seit Jahren eine echte Vorreiterrolle in Ökologie und Klimaschutz ein. Vieles, was Minister Pröll nun fordert, ist in Wien bereits Realität. Durch eine Fülle von Maßnahmen trägt der geförderte Wiener Wohnbau zur Erreichung des ambitionierten Klimaschutzprogramms KliP der Stadt Wien bei. Bereits seit zehn Jahren ist die Erreichung des Niedrigenergiestandards als Mindestanforderung im geförderten Neubau verpflichtend, daneben forciert das Land Wien die Passivhaustechnologie. Insgesamt wurden bereits zehn geförderte Passivhäuser fertig gestellt, durch Zusatzförderungen für Passivhäuser wird dieser Weg konsequent weiter verfolgt. Jüngstes Beispiel ist die Errichtung der größten Passivhaussiedlung Europas. Schon jetzt verfügt Wien über die größte Wohnfläche an Passivhausprojekten.

Mit der Übernahme der OIB-Richtlinien in die Wiener Bauordnung habe man den nächsten wichtigen Schritt gesetzt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Themen ‚Energieeinsparung und Wärmeschutz’ gelegt. So legt die OIB-Richtlinie 6 in einem ersten Schritt für Mehrwohnungsneubauten einen maximalen Heizwärmebedarf von 52 kWh pro Quadratmeter und Jahr fest. "Im Bereich des geförderten Wohnungsneubaus liegt Wien bereits heute deutlich unter diesen Anforderungen. So gilt bei den geförderten Wohnbauten der maximale Heizwärmebedarf von weniger als 40 kWh/m2/a. Mit der Forcierung von Passivhäusern, die einen durchschnittlichen Heizwärmebedarf von 15kWh/m2 und pro Jahr haben, setzen wir darüber hinaus einen weiteren Meilenstein im ökologischen Wohnbau. Dadurch leisten wir einen weiteren, wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und damit zum Klimaschutz", erklärte der Stadtrat.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt natürlich auch auf der Sanierung bestehender Altbauten. Alleine bis Ende 2006 wurde in Wien die thermische Sanierung von mehr als 149.000 Wohneinheiten gefördert, davon rund 59.000 Wohneinheiten im Rahmen der Förderschiene Thewosan (thermisch-energetische Wohnhaussanierung). Der Beitrag zum Klimaschutz ist eine Reduktion von jährlich mehr als 234.000 Tonnen CO2 insgesamt. Auf Thewosan entfallen rund 96.000 Tonnen pro Jahr. Der Wiener Weg der thermisch-energetischen Gebäudesanierung bringt nicht nur deutliche CO2-Reduktionen und eine Heizkostenersparnis für die Mieterinnen und Mieter, sondern findet auch internationale und nationale Beachtung. Nicht umsonst orientieren sich die nunmehr, entgegen den ursprünglichen Entwürfen, vorgeschlagenen Modelle der Sanierungsförderung - Stichwort "Deltaförderung" - am Wiener Modell der Thewosan-Förderung. Daneben setze das Land Wien durch eine Vielzahl von Ökoförderungen wichtige Anreize für den Umstieg auf alternative Energieträger wie Solar und Fernwärme. Derzeit sind in Wien rund 262.000 Wohnungen an das Wiener Fernwärmenetz angeschlossen, das entspricht rund einem Viertel des Gesamtwohnungsbestandes.

Auch im Bereich der öffentlichen Gebäude geht die Stadt Wien mit gutem Beispiel voran. So werden beispielsweise im Rahmen des Substanzsanierungspaketes für die Wiener Pflichtschulen über 600 Mio. Euro in klimarelevante Maßnahmen wie Fassadendämmung, Fenstertausch etc. investiert. Die Erfolge des Wiener KLIP schlagen sich u. a. in den österreichweit niedrigsten Treibhausgasemissionen pro Kopf (lt. Bundesländerschadstoff-Inventur) zu Buche. (Schluss) lok

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