Bischöfe: Möglichst alle Pfarrgemeinden sollen erhalten bleiben

Fragen zur Seelsorge standen im Mittelpunkt der Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell - Mehr Engagement von Regierung gegen weltweite Armut und für Flüchtlinge gefordert -Warnung vor Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit Ehe und Familie (1)

Mariazell, 18.6.08 (KAP) Anstehende Herausforderungen in der Seelsorge sind im Mittelpunkt der Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz gestanden, die am Mittwoch in Mariazell zu Ende gegangen ist. Wie es in der offiziellen Presseerklärung heißt, bleiben in der Seelsorge zwei Prinzipien leitend: In Österreichs Diözesen sollen die bestehenden Pfarrgemeinden möglichst erhalten bleiben, zugleich soll die pastorale Zusammenarbeit über die Pfarrgrenzen hinweg verstärkt werden. Wörtlich halten die Bischöfe fest: "Alle Anpassungen in der Struktur der Seelsorge dienen dem Ziel, den Menschen das Evangelium zu bringen." Die Gestalt des Völkerapostels Paulus, dessen Wirken die Kirche mit dem Paulusjahr heuer besonders in den Blick nimmt, sei dafür eine Inspiration, so die Bischöfe.

In der Presseerklärung nehmen die Bischöfe auch zur bisherigen Praxis der Taufspendung durch Laienchristen in der Diözese Linz Stellung, die von Bischof Ludwig Schwarz im Hinblick auf die weltkirchlichen Voraussetzungen korrigiert worden war. Die Bischöfe halten fest, "dass die Mitwirkung der Pastoralassistenten und -assistentinnen bei der sorgsamen Vorbereitung auf die Taufe ein sehr bedankenswerter Beitrag im Ganzen der Seelsorge einer Diözese ist".

Zugleich betonen sie aber, dass die Taufspendung in der katholischen Weltkirche grundsätzlich Bischöfen, Priestern und Diakonen vorbehalten ist. Die österreichische Bischofskonferenz sieht - ebenso wie die Deutsche Bischofskonferenz - nicht die Notwendigkeit, dass Laien mit der Leitung von Tauffeiern beauftragt werden. Ausgenommen davon sei die Nottaufe im Fall von Todesgefahr.

Mit Hunger nicht abfinden

Angesichts der dramatischen weltweiten Hungerkrise appellieren die Bischöfe eindringlich an die österreichische Bundesregierung, hier ihren Beitrag der Menschlichkeit zu leisten und die europaweite Verpflichtung einzuhalten, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttonationalprodukts und bis 2015 auf 0,7 Prozent zu erhöhen. Diese zusätzlichen Mittel müssten für die Armutsbekämpfung eingesetzt werden, fordern die Bischöfe. Nur so könne erreicht werden, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen (Halbierung des Hungers bis 2015) Wirklichkeit werden. Wörtlich halten die Bischöfe in der Presseerklärung fest: "Hunger raubt den Menschen die Lebenschancen und den Lebensmut. Hunger ist eine weltweite, große Wunde, die niemand unberührt lassen kann."

Flüchtlingen aus dem im Irak helfen

Sehr besorgt äußern sich die Bischöfe auch zur Situation im Irak. Das Leid der Bevölkerung sei unermesslich, "auch wenn es nicht mehr Schlagzeilen macht, weil sich die Aufmerksamkeit der Medien auf neue Schauplätze verlagert hat". Alle Bevölkerungsgruppen seien davon betroffen, besonders die christliche aber auch andere religiöse Minderheiten, sowie auch Muslime. Die Bischöfe beklagen, dass sich im Irak die Balkan-Tragödie der 90er-Jahre wiederhole: "Die Politik setzt das schmähliche Mittel der 'ethnisch-religiösen Säuberung' ein, um sich Einflusszonen zu sichern."

Wörtlich heißt es in der Presseerklärung: "Die katholische Kirche in Österreich kann angesichts dieser Tragödie nicht schweigend zuschauen. Daher ersuchen die österreichischen Bischöfe die Bundesregierung, für Flüchtlinge aus dem Irak - insbesondere für Angehörige der religiösen Minderheiten - eine Aufnahmemöglichkeit in Österreich zu schaffen."

Dies werde auch bereits in mehreren EU-Staaten - so in Frankreich und Deutschland - diskutiert; ein Vorbild könnte die Aufnahme der vietnamesischen "Boat people" in den 80er-Jahren sein, so die österreichischen Bischöfe, die zugleich dafür eintreten, dass ein Hilfsprogramm für irakische Flüchtlinge in Syrien und Jordanien entwickelt wird. Ebenso erscheine es angebracht, für die vielen christlichen Inlandsflüchtlinge im nordirakischen Kurdengebiet Vorsorge zu treffen, damit sie Unterkunft und Arbeit finden können, heißt es in der Erklärung.

Die österreichische Bundesregierung wird dazu aufgerufen, nach dem Vorbild der Aktivitäten während der Balkankriege der 90er-Jahre eine großzügige Hilfsaktion für die bedrängten Menschen aus dem Irak in die Wege zu leiten. (forts)
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