• 16.06.2008, 12:24:34
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Jüdisches Museum Wien: Schau "Juden in Wien nach 1945" bis 22.6.

Wien (OTS) - Nur noch bis Sonntag, 22. Juni ist die Ausstellung
"Leben! Juden in Wien nach 1945" im Jüdischen Museum zu sehen. Die
Schau umfasst Fotografien von Margit Dobronyi, die Ruth Beckermann
ausgewählt und inszeniert hat. Basis für die Ausstellung ist das mehr
als 150.000 Fotos umfassende Archiv der heute 95- jährigen Fotografin
Margit Dobronyi, das 2004 vom Jüdischen Museum Wien angekauft wurde.
Die Filmemacherin Ruth Beckermann wählte rund 2000 Fotos aus und
gestaltete die Fotoinstallation, die einen vielschichtigen Einblick
in das Leben der Wiener jüdischen Gemeinde nach 1945 bietet. Ruth
Beckermann legte bei der Gestaltung den Schwerpunkt auf die Fülle des
Materials. Die Fotoinstallation wird durch Filmausschnitte animiert
und durch Video-Erzählungen verdichtet.

Eine Frau dokumentiert mit der Kamera

Margit Dobronyi kam 1913 in Budapest zur Welt. 1956 floh sie wie
viele ihrer Landsleute mit ihrer Familie von Ungarn nach Wien. Ihre
ersten Fotografien, auf denen sie Hochzeiten, Bar Mizwas und andere
Feste festhielt, entstanden bereits 1957. Auf den Bildern sieht man
Menschen, von denen die meisten ebenso wie sie nach 1945 aus
Osteuropa in diese "Stadt ohne Juden" geflohen waren und sich hier
eine neue Existenz aufgebaut hatten. Denn den mehr als 180.000 Wiener
Juden, die vor 1938 in dieser Stadt lebten, waren 1945 gerade einmal
2.000 übrig geblieben. Niemand erwartete, dass sich hier wieder eine
jüdische Gemeinde entfalten könnte. Doch ausgerechnet Wien
entwickelte sich in der Zeit des Kalten Kriegs und Wiederaufbaus zu
einer kleinen, aber lebendigen Drehscheibe jüdischen Lebens in
Europa. Zuerst kamen die Überlebenden aus den Konzentrationslagern,
dann die Flüchtlinge aus den kommunistischen Nachbarstaaten. Viele
zogen weiter nach Israel oder in die USA, aber einige schoben die
Abreise immer wieder auf, gründeten Familien und Firmen und belebten
die klein gewordene Gemeinde neu und ganz anders.

Margit Dobronyi war bei den meisten Festen der jüdischen
Gesellschaft anwesend. Bei Bar Mizwas, Bällen, Hochzeiten und
offiziellen Veranstaltungen erschien die kleine Frau mit dem großen
Blitzlicht und fotografierte, ob sie nun einen Auftrag hatte oder
nicht. Fünfzig Jahre später sind ihre Bilder kulturgeschichtliche
Dokumente der zaghaften Etablierung einer jüdischen Gemeinde. Die
Frau mit der Kamera wurde Zeugin, wie in den folgenden vierzig Jahren
ein buntes jüdisches Leben im kleinem Maßstab mit großer Energie
wieder in Wien auflebte. Ihre Bilder reflektieren das Lebensgefühl in
der Wiener jüdischen Gemeinde der 1960er, 1970er und 1980er Jahre.
Die von Ruth Beckermann gemeinsam mit Sergio Ramirez gestaltete
Installation ist eine "work in progress", denn die wissenschaftliche
Aufarbeitung und Dokumentation im Jüdischen Museum geht weiter.

"Leben! Juden in Wien nach 1945" ist noch bis 22. Juni 2008 im
Jüdischen Museum (1., Dorotheergasse 11) zu sehen. Zur Ausstellung
erscheint ein Katalog mit 320 Seiten und mehr als 250 großteils
farbigen Fotografien im Mandelbaum Verlag (Preis von 24,90 Euro). Das
zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum ist
von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt
beträgt 6,50 / 4,- Euro ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt,
Führungen und pädagogische Programme: Tel.: +43-1-535 04 31-311, 312
bzw. kids.school@jmw.at . Weitere Informationen sind unter
www.jmw.at/ zu finden. (Schluss) sta

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   Dr. Alfred Stalzer 
   Mediensprecher Jüdisches Museum Wien 
   Tel.: 0664 506 49 00 
   E-Mail: presse@jmw.at

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