Erinnerung an Leon Zelman Vortrag von Brigitte Hamann im Palais Epstein

Wien (PK) - Im Rahmen der "Epstein-Vorlesungen" lud Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute zu einem Vortrag der Historikerin Brigitte Hamann, der sich mit "Erinnerungen an Leon Zelman" auseinandersetzte. An der Veranstaltung nahmen unter anderen der ehemalige Bundesminister Erwin Lanc und die ehemalige Dritte Präsidentin des Nationalrates Heide Schmidt teil.

Prammer sagte in ihrer Einleitung, das große Interesse zeige, wie notwendig es war, eine Aktivität wieder aufzugreifen, die schon in der letzten Gesetzgebungsperiode begonnen wurde. Das Palais Epstein sei ein hervorragender Ort - nicht nur in einem Gedenkjahr -, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen und sie aus einem besonderen Blickwinkel zu beleuchten.

Die Präsidentin ging auf die Geschichte des Palais ein und bettete diese in die politische Entwicklung Österreichs ein. Das Epstein spiegle in seiner Geschichte auch die heimische Verfassungsgeschichte wider, weshalb sie, Prammer, sich bemühe, die Nutzung des Hauses auch dementsprechend auszurichten. So würden gezielt Veranstaltungen für eine interessierte Öffentlichkeit organisiert, zudem gebe es die Demokratiewerkstatt, die bereits international Aufmerksamkeit erregt habe.

Damit wirke dieses Haus auch in die Zukunft, und damit sei man bei Leon Zelman, der dem Epstein einen politischen Auftrag mitgegeben habe, dem sie, Prammer, sich verpflichtet fühle. Es gehe darum, in wissenschaftlichen Vorträgen die Rolle der jüdischen Mitbürger in der Geschichte aufzuzeigen und Zeitzeugen einzuladen, ihre Erinnerungen mit uns zu teilen. Man müsse Zelman dankbar für seine unermüdliche Arbeit sein, meinte Prammer, die schließlich ankündigte, dass an Zelmans erstem Todestag am Epstein eine Gedenktafel zur Erinnerung an sein Wirken angebracht werde.

Brigitte Hamann erinnerte an die wichtigsten Stationen im Leben Leon Zelmans. Sie würdigte seine Bescheidenheit wie auch die Kraft und Beharrlichkeit, mit der er seine vielen Ideen durchzusetzen wusste und betonte, dass er trotz des Entsetzlichen, das er in seiner Jugend durchmachen musste, stets für Verständigung und Versöhnung zwischen Juden und Christen eintrat. Auch in der jüdischen Gemeinde Wiens wirkte er als integrierende Persönlichkeit. Ein besonderes Anliegen war ihm die Begegnung der Emigranten mit ihrer alten Heimat, wozu er den Jewish Welcome Service Vienna initiierte. Das Palais Epstein, das für ihn die Weltoffenheit seines Erbauers symbolisierte, war ihm in seinen letzten Jahren ein besonderes Anliegen, so Hamann.

Die Epstein-Vorlesungen

Seit dem Jahr 2005 wird das Palais Epstein vom österreichischen Parlament multifunktional genutzt. Als Wohn- und Geschäftshaus der Familie Epstein nach Plänen des Architekten Theophil Hansen in den Jahren 1868 bis 1872 errichtet, steht das Palais zeichenhaft für die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des jüdischen Großbürgertums Wiens im 19. Jahrhundert. Mit der Renovierung des Hauses ist daher auch ein Zeichen dafür gesetzt worden, dass sich die Republik der Bedeutung des jüdischen Erbes bewusst ist. Um den Zugang zu diesem Erbe zu erweitern und zu vertiefen, sollen im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Epstein-Vorlesungen" Aspekte aus dem weiten Spektrum der Geschichte des Hauses und des österreichischen Judentums in einer ausgewogenen Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen und Zeitzeugenberichten beleuchtet werden.

Leon Zelman (1928-2007)

Zelman wurde am 12. Juni 1928 im polnischen Szczekociny geboren. Mit zwölf Jahren wurde er gemeinsam mit seiner Familie in das Ghetto Lodz deportiert, wo er seine Eltern verlor. 1944 wurden er und sein Bruder in das KZ Auschwitz überstellt, wo er auch seinen Bruder verlor. Er selbst wurde in das Lager Ebensee des KZ Mauthausen überstellt, wo er am 6. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde. Wegen seines bedrohlichen Gesundheitszustands nach den KZ-Jahren verbrachte er drei Jahre in verschiedenen Krankenhäusern.

1949 ging er nach Wien, wo er die Matura und das Studium der Publizistik an der Universität Wien 1954 mit einem Doktorat beendete. Während seiner Studienzeit war er auch führender Funktionär der Jüdischen Hochschülerschaft. 1951 war er Mitbegründer der, ursprünglich als Mitteilungsblatt der Jüdischen Hochschülerschaft gegründeten, Zeitschrift "Das Jüdische Echo". 1980 schuf er den Jewish Welcome Service Vienna. Zelman verstarb in der Nacht auf den 11. Juli 2007 im Wiener Spital der Barmherzigen Brüder.

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