Hilfe für Afghanistan hilft auch uns

Von Scott F. Kilner

Wien (OTS) - Wenn man in diesen Tagen in einer Zeitung auf einen Artikel stößt, der mit dem Wort "Afghanistan" beginnt, dann folgen sehr oft Begriffe wie "Bomben", "Verluste", oder "Rauschgift". Das spiegelt die gewaltigen Herausforderungen wider, mit denen sich Afghanistan heute konfrontiert sieht, doch es gibt auch gute Nachrichten von unerwarteter Seite.

In der Provinz Helmand in Süden des Landes besuchen 600 junge Afghanen eine neu errichtete weiterführende Schule. Das verdanken sie den Bemühungen eines internationalen Teams aus Großbritannien, Estland, Dänemark und den Vereinigten Staaten, die das Projekt in Zusammenarbeit mit ihren afghanischen Partnern ermöglicht haben. In Farah, der benachbarten Provinz, haben italienische und amerikanische Mitglieder eines Wiederaufbauteams eine Schule gebaut, Brunnen errichtet, Weizensaatgut an Farmer verteilt und einen Markt wieder errichtet. Diese und viele andere Entwicklungsbemühungen wurden durch entsprechende internationale Zusagen ermöglicht, die entweder vor oder bei der Geberkonferenz in London 2006 gemacht wurden. Die internationale Gemeinschaft beschloß damals, nicht zuzulassen, daß Afghanistan - einst die Heimat der Taliban und Al-Kaidas - wieder zu einem gescheiterten, tyrannischen Staat wird, der Terrorismus exportiert.

Unsere Hilfe basiert nicht ausschließlich auf Großherzigkeit; sie dient auch unserer eigenen Sicherheit in Europa, Amerika und der ganzen Welt. Das ist der Grund warum die NATO Staaten auf ihrem Gipfel in Bukarest im April ihr langfristiges Bekenntnis zur Mission der Allianz erneuert haben. Am Donnerstag werden sich die Vertreter von mehr als 80 Ländern, einschließlich Österreich, in Paris treffen, um ihr langfristiges Bekenntnis zur Hilfe für Afghanistan zu erneuern. Neue Zusagen sind jedoch notwendig. Die Vereinigten Staaten und andere haben die Internationale Konferenz zur Unterstützung Afghanistans dazu aufgefordert, über die auf der Geberkonferenz 2006 gemachten Zusagen hinausgehende Hilfe anzubieten. Das wird unsere afghanischen Partner in die Lage versetzen, den nächsten Schritt in Richtung Wiederaufbau zu tun und die in der neuen, auf fünf Jahre konzipierten Nationalen Entwicklungsstrategie für Afghanistan definierten Ziele anzugehen. Die Vereinigten Staaten, die 26 Milliarden Dollar beigesteuert haben, werden einen beträchtlichen Betrag zur Unterstützung dieser Prioritäten bereitstellen.

Der Wiederaufbau Afghanistans ist selbstverständlich keine leichte Aufgabe. Sicherheit und Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden und wir sehen uns mit einem hartnäckigen und immer mehr in die Enge gedrängten Feind konfrontiert. Glücklicherweise lehnt die Mehrheit des afghanischen Volkes die destruktiven Ziele und die Taktik der Terroristen ab. Afghanistan hat sich auch seit der Zeit der Taliban, die Frauen gesteinigt und Mädchen den Schulbesuch verboten haben, sehr vorteilhaft entwickelt. Heutzutage besuchen mehr als 1,5 Millionen afghanische Mädchen eine Schule und insgesamt ist die Anzahl der Schüler an afghanischen Schulen von 900,000 auf über 6 Millionen angestiegen. Mehr als 75 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung nahmen 2004 an den ersten freien und demokratischen Präsidentschaftswahlen teil, und heute gibt es mehr als 100 registrierte politische Parteien. Afghanistan braucht Unterstützungszusagen für die 2009 und 2010 stattfindenden Wahlen, einschließlich Gelder für die Wählerregistrierung, die Durchführung der Wahlen, und für Programme zur politischen Bewußtseinsbildung der Wähler.

Darüber hinaus müssen wir klarstellen, daß unsere Erwartungen an die afghanische Regierung hoch sind. Das neue Nationale Solidaritätsprogramm, das auf Initiative der Regierung gestartet wurde und auf eine Entwicklung von unten nach oben abzielt, ist ein willkommenes Zeichen der Unterstützung der Regierung durch das afghanische Volk. Korruption ist allerdings weiterhin verbreitet und die Geber müssen sicherstellen, daß ihre Unterstützung tatsächlich beim afghanischen Volk ankommt. Zukünftige Generationen werden sich fragen, wie wir dem afghanischen Volk geholfen haben und auch, ob wir genug getan haben, um Europa, Amerika und die Welt vor der Bedrohung durch politische Instabilität und Terrorismus zu schützen. Wie im Falle von London im Jahr 2006, ist auch die Geberkonferenz in Paris ein Test. Wir sollten darauf hinarbeiten, daß Historiker später nicht fragen: "Haben sie genug getan?" sondern statt dessen: "Wie haben sie es geschafft, so viel zu tun?"

Scott F. Kilner ist amtierender Geschäftsträger an der amerikanischen Botschaft in Wien.

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