"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "EURO-Bilanz mit Schönheitsfehler"

Die Frequenz auf Österreichs Fanmeilen lässt zu wünschen übrig. Die Schweizer kennen das Problem kaum. (Von FLORIAN MADL)

Innsbruck (OTS) - Die Verantwortlichen der Fußball-Europameisterschaft dürfen zufrieden auf die erste Veranstaltungswoche zurückblicken. Ihre berufsbedingt nüchterne Bilanz weist reibungslose Organisation aus, dazu Unwägbarkeiten wie das wankelmütige Wetter. Und noch geizen die Protagonisten nicht mit Toren, die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt verspricht, keine für Taktiker zu werden. Die Quote stimmt, die der TV-Anstalten mit 155 Millionen Sehern pro Spiel folgt dem Trend.

Außerhalb der Stadien klaffen die Stimmungsbilder der beiden EURO-Gastgeber auseinander. Während Bern angesichts von bis zu 100.000 Fans im Stadtzentrum kurzerhand eine dritte Fanzone eröffnete, verlangen die enttäuschten Standbetreiber hierzulande eine Mietreduktion. Wien fordert eine Halbierung, was in Klagenfurt schon umgesetzt wurde. Und Innsbruck steht die Diskussion noch bevor. Die hoch angetragene Public-Viewing-Arena Bergisel gibt den skeptischen Beobachtern Recht - die quittieren das gastronomische Wehklagen mit Schulterzucken.

Die Nerven der Gastronomen sind angespannt, schließlich wurden ihnen sechs Jahre lang Umsatzrekorde prophezeit. Am Vorwissen kann es nicht liegen, schließlich orgelte man das Thema EURO medial seit Dezember 2002. Von einem österreichischen EM-Titel durfte gleichfalls keiner ausgehen.

Das heimische Dilemma entspringt einer betriebswirtschaftlichen Großmannssucht, dazu der Euphorie falscher Propheten, die das Konsumentenverhalten falsch einschätzten. Auf einen Heimsieg dürfen nicht mehr viele hoffen.

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