WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geld stinkt nicht, aber die Investoren? - von Alexis Johann

Wurde das russische Vermögen auch sauber verdient?

Wien (OTS) - Wissen Sie wieviele Bundesländer Deutschland hat? 14, 15, 16 oder 21? Keine Angst, Sie müssen diese Frage nicht beantworten - außer Sie planen die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ab 1. September wird das beim Einbürgerungstest gefragt.

Nehmen wir aber einmal an, Sie hätten sehr viel Geld und wollen damit in Deutschland einkaufen gehen. Werden Sie warmherzig empfangen? Diesem Test stellt sich gerade Sulejman Kerimow, der achtreichste Russe. Er möchte die Deutsche Bank kaufen. Drei Prozent der Anteile habe er schon, neun Prozent seien das Ziel. Dann will er noch andere Investoren überreden, seinem Eroberungsfeldzug beizuwohnen. Stimmen die Berichte russischer Medien, habe er außerdem noch UBS, Credit Suisse und die Investmentbank Morgan Stanley im Visier. Der Zeitpunkt für dieses Manöver ist gut gewählt. Die Deutsche Bank ist heute um knapp vierzig PSrozent weniger wert als noch vor einem Jahr, UBS kostet sogar weniger als die Hälfte. Und es ist anzunehmen, dass die Finanzinstitute, die seit Jahren das globale Investmentbanking bestimmen, in absehbarer Zukunft wieder auferstehen.

Außerdem hat Deutschland mit dem neuen russischen Präsidenten Dimitri Medwedew einen Hoffnungsträger für einen Aufschwung der Exportwirtschaft ausgemacht. Deutsche Betriebe haben in Russland viel vor, wollen Autobahnen bauen und Technologie liefern. Nur fair, dass sich russisches Kapital auch bei deutschen Großbetrieben festsetzen darf, könnte man meinen.

Für Aktionäre sind diese Spekulationen alleine schon ein gefundenes Fressen, um Kursgewinne zu realisieren. Aber können Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, diese Avancen gefallen? Geld gelte es "auf sozial und ökologisch möglichst verantwortungsbewusste Weise" zu verdienen, ließ dieser vorgestern in Frankfurt die versammelten Manager und Denker wissen. Auch wenn es Ackermann mit dieser Haltung in der täglichen Praxis nicht immer ganz so ernst nehmen mag: in Deutschland hat die Frage seit den Schmiergeldaffären und Gehaltsdiskussionen durchaus Relevanz.

Das Geld aus Russland wird sauber sein, aber wurde es sauber verdient? Seit dem Verkauf der Bank Burgenland wissen wir, dass ein Investor nicht anderen Investoren gleicht, wenn es Verkäufer gibt, denen das wichtig ist. Ackermann, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, aber auch Erste-Chef Andreas Treichl, RI-Boss Herbert Stepic und Kanzler Alfred Gusenbauer werden nachdenken müssen, wie sie Russen begegnen, die nicht nur die Zahl der Bundesländer wissen, sondern den Wert guter Firmen berechnen können.

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