"KURIER"-Kommentar von Michael Bachner: "Robin Hood war einmal"

Eine Sondersteuer für die OMV wäre ein Rückschritt in die Denke der 80er-Jahre

Wien (OTS) - Politiker greifen zu populistischen Lösungen, wenn
ein Problem besonders unter den Nägeln brennt. Eine kräftige Senkung der zwei Mal angehobenen Mineralölsteuer wäre viel zweckmäßiger als eine Sondersteuer auf den OMV-Gewinn. Denn wo fängt man an, und wo hört man auf? Wie die Autofahrer über den Spritpreis jammern, so beklagen andere Konsumenten hohe Bankgebühren, teuren Strom oder ungenießbare Nahrungsmittelpreise. Aber kein Mensch würde wohl Sondersteuern auf die Gewinne der Bank Austria, eine Extraabgabe vom Verbund oder Geld zurück von Spar und Billa fordern. Die OMV zahlt Steuern und das nicht wenig. Der Anstieg der Steuerleistung hielt mit dem Gewinn nicht Schritt, weil die Körperschaftssteuer gesenkt wurde. An der Explosion der Erdölpreise sind aber vor allem die weltweit agierenden Spekulanten und nicht das international vergleichsweise kleine Rädchen OMV schuld. Wenn schon, machen solche Überlegungen weltweit oder wenigstens EU-weit Sinn. Sehr passend heißt das Modell auch Robin-Hood-Steuer und wurde in den 80er-Jahren nach der zweiten Ölkrise angewandt. Zur alten Verstaatlichtenzeit haben Sondersteuern noch irgendwie gepasst, heute sind sie zu Recht Schnee von gestern.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Ressort Wirtschaft
Tel: 0043-1/52100-2638
wirtschaft@kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0003