Pharmig: Gesundheit - Aufbruch in die Planwirtschaft

Huber: Drohung per Gesetzentwurf ist "Unkultur"

Wien (OTS) - Nach Informationen der Presse sollen
Pharmaunternehmen eine pauschalierte Abgabe von sechs Prozent ihres jährlichen Umsatzes an erstatteten Medikamenten an die Krankenversicherungsträger abführen. Ein Skandal, findet Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber.

"Die Politik bedroht mit diesem planwirtschaftlichen Gesetzesentwurf die 10.000 Mitarbeiter in den pharmazeutischen Unternehmen in Österreich", empört sich Huber.

Politische Hilflosigkeit

Die Gesetzesvorlage der Gesundheitsreform präsentiere sich mehr und mehr als Stufeneskalation, in der sich die Überforderung von Politik und Sozialpartnern ausdrücke. Vom Sozialpartnerpapier, das schon nicht mit Zwangsmaßnahmen gegen die Pharmawirtschaft geizte bis hin zum ersten Gesetzesentwurf mit einer geheimen Prozentzahl für die Zwangsrabatte, sei man mittlerweile bei einer sechsprozentigen "Steuer" angelangt. Huber: "Ich frage mich, wo eine solche Eskalation noch hinführt. Denn derart planwirtschaftliche Gesetzesvorlagen, wie sie die große Koalition auf den Tisch legt, führen direkt zu einer Standortvernichtung im pharmazeutischen Bereich". Noch unverständlicher sei dieses politische Verwirrspiel, wenn man bedenke, dass es ein akkordiertes Angebot zwischen Hauptverband und Pharmawirtschaft gibt, das mithelfen soll, die prekäre Situation der Krankenkassen finanziell zu überbrücken. "Nur wird dieses Angebot von der Politik des längeren einfach nicht zur Kenntnis genommen; umso erstaunlicher, da die Pharmawirtschaft als einziger Partner im Gesundheitswesen bisher bereit ist, Geld auf den Tisch zu legen", so Huber.

Natürliche Mengensteigerung

Auf die von Hauptverbandschef Erich Laminger angesprochene Mengensteigerung bei Medikamenten verweist Huber auf die natürliche Wandlung der Bevölkerungsstruktur. "Im Jahr 2006 auf 2007 gab es rund 5 Millionen mehr Verordnungen. Die Ärzte verschreiben ihren Patienten ein Medikament nicht aus Jux und Tollerei." Zudem wachse die österreichische Bevölkerung, wobei sich die Gruppe 60 plus jedes Jahr um circa 36.000 Bürger erweitere. "Rund zwei Drittel aller Verschreibungen entfällt auf diese Gruppe. Es ist eine simple Milchmädchenrechnung, dass sich die Verschreibungen deshalb jährlich erhöhen. Und nicht, wie so gerne behauptet wird, auf die Marketing-Maßnahmen der pharmazeutischen Unternehmen zurückzuführen sind", sagt Huber und fordert: "Es wird endlich Zeit, dass die Politik diese demographischen Veränderungen in der Bevölkerung zur Kenntnis nimmt und die Ressourcen im Gesundheitswesen diesen Gegebenheiten anpasst".

Pharmawirtschaft unter Druck

"Der Pro-Kopf-Verbrauch an Medikamenten ist in Österreich im Vergleich zu Gesamteuropa unterdurchschnittlich", so Huber. "Zudem liegen wir hierzulande mit unseren Fabrikabgabepreisen bei Medikamenten rund 18,6 Prozent unter dem EU-15-Schnitt. Letzteres trage zu dem ökonomischen Druck bei, unter dem die hiesigen pharmazeutischen Unternehmen stünden, was dazu geführt habe, dass bereits in den letzten Jahren Arbeitsplätze abgebaut werden mussten.

Korrekter Umgang mit Zahlen

Im Übrigen seien die angegebenen Zahlen zu den Medikamentenausgaben im Presse-Artikel bewusst negativ aufbereitet worden. "Im Jahr 2007 gaben die Krankenkassen knapp unter 2 Milliarden Euro netto für Heilmittel (nach Abzug der rückerstatteten Mehrwertsteuer und den von den Patienten bezahlten Rezeptgebühren) aus. Das bedeutet rund 15 Prozent des Kassenbudgets wurden für Medikamente aufgewendet", so Huber. "Es wäre hilfreich, wenn alle Partner im Gesundheitswesen die korrekten Zahlen in der Öffentlichkeit verwenden würden."

Hinter jeder Verschreibung ein Patient

"Was ich bei dieser Diskussion vermisse, ist der Patient", sagt Huber. "Hier werden Menschen, die Hilfe brauchen, wie Kostenfaktoren hin und her geschoben. Es ist Zeit alle Beteiligten daran zu erinnern, dass hinter jeder Verschreibung ein kranker Mensch steht."

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