Nusseibeh über den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern: "Es klingt wie ein Märchen, aber ich glaube an Märchen"

Der palästinensische Philosoph Sari Nusseibeh zu Gast im Bruno Kreisky Forum für internationale Dialoge

Wien (SK) - "Der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern klingt wie ein Märchen, aber ich glaube an Märchen, auch an politische. Geschichte wird von einzelnen Menschen geschrieben und von niemand sonst", betonte der palästinensische Philosoph und Präsident der Al Quds Universität in Jerusalem, Sari Nusseibeh am Dienstag Abend im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog. Nusseibeh stellte sein Buch "Once Upon a Country: A Palestinian Life" vor und sprach mit Isolde Charim, Philosophin und Lehrbeauftragte an der Universität Wien über die Friedenschancen zwischen Israelis und Palästinensern. ****

Die Veranstaltung wurde mit einer Lesung des Prologs "Ein Traum" aus Sari Nusseibehs Buch eröffnet. Der Prolog der sich inhaltlich zwischen Realität und einem von Nusseibeh erdachten Kindermärchen bewegte, schien wie eine Metapher für die heutige Situation zwischen Israelis und Palästinensern. Von Isolde Charim darauf angesprochen, antwortete Nusseibeh, dass er nichts verraten würde und sich jeder seine eigenen Gedanken zu diesem Text machen solle. Im anschließenden Gespräch zwischen Charim und Nusseibeh kamen Themen wie Religion, Geschichte und Kultur zur Sprache, doch immer vor dem Hintergrund möglicher Friedenslösungen für Israel und Palästina.

Nusseibeh erzählte von dem Sechs-Punkte-Plan, den er 2003 gemeinsam mit dem israelischen Abgeordneten der Arbeiterpartei Ami Aylon ausgearbeitet habe. Dieser hätte vor allem die Forderung nach zwei getrennten Staaten mit zwei Grenzen auf Basis von 1967 und Jerusalem als Hauptstadt von beiden Staaten gefordert. Dieser Plan erzielte, so Nusseibeh, nicht zuletzt aufgrund des Todes von Jassir Arafat und den dadurch resultierenden politischen Unruhen, nicht den gewünschten Effekt. "Ich glaube, dass Menschen beider Seiten, Israelis und Palästinenser einen solchen Plan befürworten würden", zeigte sich Nusseibeh optimistisch.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde Nusseibeh gefragt, was seiner Meinung nach der Grund für das Scheitern des Vertrages von Oslo gewesen sei. Nusseibeh verglich an dieser Stelle den Vertrag mit einem Kleinkind, das viel Aufmerksamkeit und Pflege zum Überleben und Gedeihen brauche, die Vertragsunterzeichner hätten aber "nur unterschrieben, sich umgedreht und sich anderen Dingen gewidmet." Auf die Frage warum der Frieden noch nicht geschehen sei, antwortete Nusseibeh, dass beide Seiten an eine Lösung glauben müssen. "Es sind Menschen die Geschichte schreiben, niemand sonst", betonte Nusseibeh erneut und erzählte von dem friedlichen Protest der Studenten seiner Universität gegen den Bau der Mauer in Palästina.

Abschließend betonte Nusseibeh, dass beide Seiten, Israelis und Palästinenser erkennen müssen, dass es besser sei, miteinander in Frieden zu leben. Die Israelis und Palästinenser würden langsam einsehen, dass sie den Willen der anderen Seite nicht brechen können, dass Gewalt zu keiner Lösung führt und beide Seiten genug gelitten haben. "Irgendwann werden beide Seiten erkennen, dass sie eigentlich das selbe wollen und dann wird es Frieden geben", so Nusseibeh abschließend. (Schluss) sv

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