"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Hühner und die lahme Ente"

George W. Bushs Abschiedstour durch Europa ist von freundlichem Desinteresse geprägt. (Von ANDREAS SCHWITZER). Ausgabe vom 10. Juni 2008

Innsbruck (TP/OTS) - Auch wenn dem US-Präsidenten George W. Bush vor seinem gestrigen Eintreffen in Deutschland wieder scharfe Kritik aus allen Bundestags-Fraktionen entgegenschwappte, die Eiszeit zwischen den USA und dem "Alten Europa" ist längst vorbei. Zum einen sind die Protagonisten auf EU-Seite, Deutschlands Gerhard Schröder und Frankreichs Jacques Chirac, nicht mehr im Amt. Zum anderen schielen die Europäer naturgemäß bereits auf den Abgang des ungeliebten US-Präsidenten im Jänner 2009 und eine fruchtvollere Zusammenarbeit mit Barack Obama oder John McCain. Beide haben -zumindest in Wahlkampfversprechen - in zentralen Themen wie der Klimapolitik bereits eine engere Zusammenarbeit mit der EU in Aussicht gestellt. Auch wenn der neue US-Präsident erst an seinen Taten gemessen werden muss, dürfen sich die Europäer zumindest erwarten, in wichtigen Entscheidungen wieder konsultiert zu werden. Dass George W. Bush, dessen Amtszeit geprägt war von hegemonialen Machtansprüchen, von Menschenrechtsverletzungen und außenpolitischem Schwarz-Weiß-Denken, eine "lame duck" (lahme Ente) ist - also ein Politiker, der ohnehin bald aus dem Amt scheidet - wird auf seiner Abschiedstour durch Europa wieder mehr als deutlich. Ein kurzes Händeschütteln quer durch Europa und ein EU-USA-Gipfel mit vagen Absichtserklärungen zum iranischen Atomprogramm. Das kniffligste Thema auf dem gestrigen Gipfel im slowenischen Brdo war da noch das Import-Verbot für amerikanische Chlorhühner. Aber auch für ihre gefiederten Freunde konnte die "lahme Ente" nichts erreichen.

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