Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Gefährliche Hilfsaktionen"

Ausgabe vom 11. Juni 2008

Wien (OTS) - Der Vize- tut dem Bundeskanzler das Schlimmste an,
was in der Politik möglich ist: Er hilft ihm öffentlich. Was in der SPÖ schon lange niemand mehr tut. Und was den politischen Chancen Alfred Gusenbauers daher gar nicht gut tut. Dabei hat der eher oberösterreichisch-direkte Wilhelm Molterer die Nebenwirkungen seiner Hilfsaktion wohl nicht einmal vorausberechnet . . .

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Vieles deutet darauf hin, dass die ÖVP nun für einen Teilverkauf der AUA an die Lufthansa ist. Was nicht sehr weise wäre? Gewiss: Ein fortgesetzter Alleinflug der AUA mit ihren teuren Mitarbeitern und alten Flugzeugen wird kaum noch das Ziel erreichen. Und betriebswirtschaftlich wäre eine Ehe mit der Lufthansa, mit der man via Star-Alliance schon innig verlobt ist, am billigsten. Volkswirtschaftlich jedoch nicht: Viel klüger wäre ein Partner, der nicht das wertvolle Ost-Netz der AUA direkt konkurriert und der nicht mit München einen direkten Konkurrenten zu Schwechat aufbaut.

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Michael Häupl drischt heftiger denn je zu: auf die Regierung, auf (Bundes-)SPÖ und ÖVP, auf die EU. Er kündigt sogar die Nichtbefolgung von Urteilen des Europäischen Gerichtshofs an (die in diesem Fall drohenden saftigen Strafen muss ja eh nur der Bund zahlen). Offenbar wird da jemand angesichts bedrohlicher Umfragen panisch (deren Trend wohl nicht auf die lahmen Wiener Oppositionsparteien zurückgeführt werden kann).

Häupl täte freilich gut daran, sich mehr um den eigenen Laden zu kümmern. Wo es seit dem Abgang der Herrn Rieder und Faymann massive Personalprobleme gibt. Wo die Verhältnisse von den Straßenbahnen bis zur Psychiatrie zunehmend gesundheitsbedrohend werden. Wo man nicht einmal imstande ist, die neue Stadion-Station so zu beschildern, dass Fußballfans sie finden können. Wo man eine Fanzone so platziert und strukturiert, dass die naheliegende U-Bahn-Station gesperrt werden muss, der Straßenverkehr phasenweise kollabiert - und trotzdem die Frequenz rund ums Rathaus enttäuschend gering ist, weil die Gäste lieber anderswo und billiger feiern. In dieser Krise werden dem Wiener Bürgermeister wohl nicht einmal mehr die skandalösen Fähnchen der "Kronenzeitung" auf den Straßenbahnen nutzen, an die sich Häupl offenbar schon total verkauft hat.

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