Bundesarbeitskammer (2): Arbeitslosigkeit darf nicht arm machen

Schruns (OTS) - Österreich hat eine der niedrigsten Ersatzraten beim Arbeitslosengeld (55 Prozent der Nettobemessungsgrundlage gegenüber zB 62 Prozent in Deutschland). Auch die Dauer, für die Arbeitslosengeld gebührt, ist in Österreich kürzer als in den meisten anderen EU-Staaten. Außerdem gibt es keine Anpassung des Arbeitslo-sengeldes und der Notstandshilfe an die Geldentwertung. Das bedeutet, dass rund 800.000 österreichische ArbeitnehmerInnen, die zumindest einmal im Jahr arbeitslos werden, eine spürbare Einbuße ihres Jahreseinkommens erleiden, ohne dass bisher dagegen Maßnahmen gesetzt worden sind. Gerade für ältere ArbeitnehmerInnen, die nach oft jahrzehntelanger ununterbrochener Beschäftigung langzeitarbeitslos werden, weil ihnen allein wegen ihres Alters keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt gegeben wird, führt diese Situation zur Armutsbedrohung. Durch den immer größeren Druck auf ArbeitnehmerInnen zu "Flexibilität" auf dem Arbeitsmarkt erhöht sich auch die Unsicherheit der Arbeitsplätze. Eine ausreichende sozi-ale Absicherung während Phasen der Arbeitslosigkeit ist für immer mehr Arbeit-nehmerInnen von größter Bedeutung, um eine massive Schmälerung des Jahreseinkommens und ein Abgleiten in Armut trotz überwiegender Beschäftigung während des Jahres zu verhindern.

Angesichts der ständigen Forderung von Unternehmungen nach noch mehr Flexibilität und häufigerem Berufswechsel muss sichergestellt werden, dass Flexibilität auch auf die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen abstellt und ArbeitnehmerInnen und Arbeit Suchen den Sicherheit gegen unvertretbare Nachteile im Falle des Berufswechsels oder der Annahme einer Beschäftigung an einem anderen Arbeitsort geboten wird.

Die Hauptlversammlung der BAK fordert insbesondere:
+ eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes
+ die Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes bei langer Versicherungsdauer
+ eine Reform des Notstandshilfesystems: Anrechnung des Partnereinkommens erst ab einem Familieneinkommen über dem Ausgleichszulagenrichtsatzes
+ Wertsicherung von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe als Schutz gegen die Inflation
+ eine Erhöhung der Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhaltes während der Teilnahme an Schulungen des Arbeitsmarktservice
+ Entfall der Sanktionen der Sperre des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe bei Lösung des Dienstverhältnisses durch den/die ArbeitnehmerIn, weil dadurch die Mobilität der ArbeitnehmerIn ungerechtfertigt behindert wird
+ Verbesserung der Zumutbarkeitsbestimmungen, insbesondere sollen der Entgeltschutz und die Verpflichtung des Arbeitsmarktservice zur Bedachtnahme auf Ausbildungsniveau, -potenzial und -bedürfnisse der Arbeit Suchenden ausgebaut werden.

(Forts.)

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