"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: "Genosse Abwärtstrend"

Wenn die SPÖ so weitermacht, implodiert die Kanzlerpartei demnächst.

Wien (OTS) - Alfred Gusenbauer ist geschwächt, aber nicht gestürzt. Schlappen wie in Niederösterreich und jetzt in Tirol untergraben seine Position. Hinter vorgehaltener Hand ist von vielen SPÖ-Granden zu hören, "dass es mit dem Alfred so nicht weitergeht". Was aber stattdessen kommen soll, sagt keiner.
Dabei ist es billig, die Nöte der SPÖ allein dem noch amtierenden Parteichef anzulasten. Ja, er macht schwere Fehler. Aber für den Niedergang gibt es mehrere Gründe.
So hält der größte Parteiverband der Republik, die Wiener SPÖ, mit größter Anstrengung den Deckel auf ihrem Topf. Die Bürger dieser Stadt kennen freilich die Probleme: die desolaten Schulen, das tägliche Verkehrschaos, die Zuwanderer-Gettos, die Tabuzonen am Gürtel, die kaputten alten Geschäftsstraßen. Das lässt sich nicht wegreden oder zudecken. Kein Wunder, dass die Strache-FPÖ in den Umfragen steil aufsteigt, auch und vor allem bei früheren SPÖ-Wählern.
In vielen Landesparteien herrscht tiefer Frust über das Gesamtbild der SPÖ. Zweierlei ist fällig, um eine Implosion zu verhindern: Personelle Erneuerung und programmatische Neuorientierung. Anders ist der Niedergang der alten Volks-Partei nicht aufzuhalten.

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