OeNB - Finanzmarktkrise und Rohstoffpreishausse dämpfen Konjunktur und treiben Inflation

Gesamtwirtschaftliche Prognose der OeNB für Österreich 2008 bis 2010 vom Juni 2008

Wien (OTS) - Die Oesterreichische Nationalbank erwartet, dass sich das Wachstum der österreichischen Wirtschaft infolge der internationalen Finanzmarktkrise und der Rohstoffpreishausse gegenüber den Hochkonjunkturjahren 2006 und 2007 abschwächen wird. "Nach einem hervorragenden Start ins Jahr 2008 werden sich die Wachstumsaussichten für die österreichische Konjunktur in weiterer Folge spürbar eintrüben", meint dazu OeNB-Direktor Josef Christl. Für das Jahr 2008 wird ein Wachstum des realen BIP von 2,2% erwartet. Der Wachstumstiefpunkt wird für 2009 (+1,7%) prognostiziert, ehe im Jahr 2010 wieder mit einer Beschleunigung auf 2,4% gerechnet wird. Gegenüber der Prognose vom Dezember 2007 wurden die Wachstumserwartungen für die Jahre 2008 und 2009 um 0,3 bzw. 0,6 Prozentpunkte zurückgenommen. Die Inflation erreicht heuer mit 3,1% den höchsten Wert seit 1993. Für die Jahre 2009 und 2010 wird mit einem Rückgang der Inflation auf 2,4% und 1,9% gerechnet. Das Beschäftigungswachstum bleibt kräftig und die Arbeitslosigkeit sinkt weiter auf 4,2% im Jahr 2008.

Die Entwicklung der internationalen Konjunktur ist durch die Finanzmarktkrise, den Abschwung in den USA und die Rohstoffpreishausse bestimmt. Die Wirtschaft im Euroraum hat sich im ersten Quartal 2008 aufgrund eines außerordentlich starken Wachstums in Deutschland sehr gut entwickelt. Die globale Wachstumsabschwächung wird jedoch auch am Euroraum nicht spurlos vorübergehen und zu einer spürbaren Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik führen.

Die österreichischen Exporte, die in den letzten Jahren die Triebfeder des Wachstums waren, werden infolge des geringeren Marktwachstums und des höheren Außenwerts des Euro zwar etwas an Dynamik verlieren. Bedingt durch die Orientierung der österreichischen Exporteure nach Osteuropa, die diversifizierte sektorale Struktur und die günstige Lohnstückkostenentwicklung fällt dieser Rückgang jedoch gering aus.

Die Inlandsnachfrage ist durch ein schwaches Konsumwachstum und einen flachen Investitionszyklus geprägt. Die überraschend hohe Inflation führt im Jahr 2008 zu leicht sinkenden Nettoreallöhnen. Die sich abschwächende Beschäftigungsdynamik dämpft zusätzlich das Wachstum der Haushaltseinkommen. Das Konsumwachstum wird im Jahr 2008 nur 1,0% betragen. Auch in den beiden darauf folgenden Jahren wird mit keiner substantiellen Beschleunigung gerechnet. Die Investitionsdynamik wird sich vor dem Hintergrund der internationalen Konjunkturabkühlung zwar spürbar verlangsamen. Da sich der aktuelle Investitionszyklus im Vergleich mit den letzten Hochkonjunkturphasen als sehr flach darstellt, wird auch im Abschwung mit weiterhin steigenden Investitionen gerechnet.

Der Preisauftrieb hat sich - getrieben durch die internationale Rohstoffpreishausse - überraschend stark beschleunigt. Die HVPI-Inflation erreichte im April 2008 3,4% und wird sich nur graduell zurückbilden. Für das Gesamtjahr 2008 wird eine Inflationsrate von 3,1% erwartet. Im Jahr 2009 wird die Inflation mit 2,4% ebenfalls noch über 2% zu liegen kommen, ehe für das Jahr 2010 ein Rückgang auf 1,9% erwartet wird.

Der österreichische Arbeitsmarkt präsentiert sich in der ersten Jahreshälfte 2008 noch in sehr guter Verfassung. Die Arbeitslosenquote sinkt infolge des kräftigen Beschäftigungswachstums im Jahr 2008 weiter um 0,2 Prozentpunkte auf 4,2%. Für die Jahre 2009 und 2010 wird mit einem nur geringfügigen Anstieg auf 4,4% gerechnet.

Der Budgetsaldo laut Maastricht-Definition wird sich im Jahr 2008 geringfügig auf 0,6% des BIP verschlechtern. Für die Jahre 2009 und 2010 wird mit einer Defizitquote von 1/2% des BIP gerechnet.

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