WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Konzernzentralen: Wien bleibt konkurrenzlos - von Herbert Geyer

Aber warum können Wiens Navratils nicht Tschechisch?

Wien (OTS) - Die jüngsten Sieger des alljährlichen Wachstumskaiser-Wettbewerbs im WirtschaftsBlatt zeigen es wieder einmal: Die tolle Performance der Wiener Börse, aber auch der österreichischen Wirtschaft der vergangenen Jahre insgesamt ist vor allem jenen Unternehmen gedankt, die rechtzeitig den Mut und die Weitsicht hatten, ihre Fühler in den Osten auszustrecken. Ohne das Wachstum im Osten sähe der Wirtschaftsstandort Österreich immer noch so alt aus wie vor der großen Wende 1989.

Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern:
Mittel- und Osteuropa wird noch lange das Synonym für Wachstum in Europa bleiben.

Und Österreich wird - wenn es nicht alles falsch macht - noch lange von diesem Wachstumsvorsprung profitieren. Es ist ja kein Zufall, dass Österreich mit seinen Wachstumszahlen fast immer vor den meisten anderen Staaten der alten EU oder der Währungsunion lag.
Schlüssel dazu sind - neben zahllosen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die ebenfalls bereits den Schritt über die Grenzen gewagt haben - die Konzernzentralen internationaler Unternehmen, die Wien als Standort für ihre Osteuropa-Aktivitäten gewählt haben. Egal, ob es sich um heimische Banken oder um internationale Konzerne wie Henkel oder Beiersdorf handelt.

Wenn da ein Großer wegbricht - wie jetzt offensichtlich IBM -, müssen die Alarmglocken schrillen. Auch wenn bei näherem Hinsehen kein Zweifel bleibt, dass Wien als Standort für Osteuropa-Zentralen von seinen potenziellen Konkurrenten Prag oder Budapest so schnell nicht einzuholen ist.

Sollte es dort je einen Kostenvorteil gegeben haben (etwa bei Büromieten oder bei den Gehältern von qualifiziertem Personal), so ist er entweder längst dahin oder schrumpft schneller als eine Übersiedlung dauert. Was Infrastruktur- und Lebensqualität betrifft, hat Wien noch lange die Nase vorn. Und die Gruppenbesteuerung gleicht zumindest für Konzerne die Steuervorteile in den meisten Ostländern aus.

Das darf natürlich nicht dazu verlocken, die Hände in den Schoß zu legen: Der Wiener Flughafen muss seine Ost-Drehscheibenfunktion nicht nur behalten, sondern ausbauen. Im Verkehrsnetz in und rund um Wien ist bei weitem noch nicht alles optimal. Und dass die Wiener Navratils und Nowaks bei weitem nicht so gut Tschechisch können wie die tschechischen Deutsch, ist eine Herausforderung an Schulen und Unis: Für den Manager-Nachwuchs wird das Beherrschen von Ostsprachen zur Pflicht.

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