"Hunger-Gipfel in Rom hat sein Ziel verfehlt"

"Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission" nennt Ergebnis "beschämend und eine weitere vertane Chance" - Bischof Ludwig Schwarz fordert Erhöhung der österreichischen Entwicklungshilfemittel

Wien, 6.6.08 (KAP) "Der Hunger-Gipfel in Rom hat sein Ziel verfehlt":
Die "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission" (KOO) bezeichnete die FAO-Konferenz in einer Stellungnahme am Freitag als "beschämend und eine weitere vertane Chance". Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz forderte als KOO-Vorsitzender die Verantwortung der Bundesregierung ein. Es sei "höchste Zeit, dass Österreich einen angemessenen Beitrag zur Bekämpfung der weltweiten Armut leistet". Die KOO erwarte einen Stufenplan, um 2010 auf die versprochenen 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) zu kommen.

Kritik übte die KOO an der Darstellungsweise der österreichischen EZA: 2006 und 2007 seien u.a. die Entschuldung des Irak, Flüchtlings-und Studienplatzkosten eingerechnet worden. Nur dadurch habe man die vorgegebenen EU-Ziele erreicht. Diese Anrechnungen seien zwar laut OECD legitim, verschleierten aber "reale Defizite". Einer langfristigen Planung und der dringend notwendigen Erhöhung der EZA-Mittel stehe eine solche Vorgangsweise aber "im Weg". In der Entwicklungszusammenarbeit brauche es dringend mehr Mittel in Form von "frischem Geld", so die KOO weiter, das zur Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit eingesetzt werden müsse.

100.000 Hungertote täglich

Das Ergebnis der dreitägigen Konferenz der FAO, der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, sei nicht mehr als eine kurze Erklärung, "die angesichts des ungelösten Hungerproblems in skandalöser Weise hinter den Erfordernissen zurückbleibt", kritisierte die KOO. 3.500 Regierungsbeamte, 40 Regierungschefs, 80 Minister und Abgeordnete hätten über die Preisexplosion auf den Agrarmärkten und den Hunger in der Welt diskutiert. "Das Ergebnis ist beschämend angesichts von 100.000 Hungertoten täglich", sagte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl. Ein Wandel in der Weltagrarpolitik sei dringend notwendig.

Bei der FAO-Konferenz habe es keine innovativen Beschlüsse gegeben, um zu verhindern, dass der Klimawandel und die lukrative Umstellung auf Agrotreibstoffproduktion die Hungerkrise noch weiter verschärfen. Man habe wieder auf "alte Rezepte" gesetzt, "die nicht mithelfen, Hunger zu bekämpfen": Die Öffnung der Märkte des Südens, die Subventionierung von Importen mit Entwicklungsgeldern und eine neue "grüne Revolution".

Die notwendige Steigerung der Nahrungsmittelproduktion müsse mit den Erfordernissen der Bewahrung der Schöpfung in Einklang gebracht werden. Besonders wichtig sei es dagegen, die kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Gleichzeitig müsse das Hungerproblem in seiner ganzen Vielschichtigkeit gesehen werden und auch Augenmerk auf den Klimawandel, die Umstellung auf Agrotreibstoffproduktion, auf "verzerrende" Agrarsubventionen und Ressourcenausbeutung gelegt werden.(ende)
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