AK: Letzter arbeits- und sozialrechtlicher Check vor der EURO 2008 (1)

Wien (OTS) - Im Rahmen der EURO 2008 entstehen viele zusätzliche, zumeist befristete Arbeitsplätze. Es ist mit außergewöhnlichen Mehrbelastungen durch längere Arbeitszeiten zu rechnen, dies gilt vor allem für die Arbeitnehmer im Handel, in der Gastronomie, im Verkehr und im Bereich Sicherheit und Bewachung. Für die Beschäftigten im Handel und im Bewachungsgewerbe haben die jeweils zuständigen Gewerkschaften speziell für den Einsatz bei der EURO kollektivvertragliche Regelungen ausverhandelt. Besondere Verantwortung für eine erfolgreiche EURO kommt den Arbeitgebern zu, die während und nach der EURO für faire Verhältnisse für die betroffenen ArbeitnehmerInnen sorgen müssen. "Wenn Feste gefeiert werden, müssen Menschen arbeiten, damit es auch ein Fest gibt. Dazu gehört es auch, für ein gutes Klima im Unternehmen, gerechte Entlohnung und Fairness beim Ausmaß der Arbeitszeit zu sorgen. Dass 12 oder mehr Stunden am Tag gearbeitet werden soll, wie bereits angekündigt wurde, ist nicht nur ungesetzlich, sondern auch unzumutbar und für das Gelingen des Festes kotraproduktiv. Überarbeitete, missgelaunte MitarbeiterInnen sind der Stimmung nicht dienlich", sagt Irene Holzbauer, Arbeitsrechtsexpertin der AK Wien. Auch sonst stellen sich rund um die EURO viele arbeitsrechtliche Fragen, angefangen von der Urlaubssperre bis hin zum Fan-Verhalten während der Arbeit. "Ohne Zweifel: Die EURO 2008 ist ein besonderes Ereignis, dies rechtfertigt allerdings keinesfalls einen "Ausnahmezustand". Die Spielregeln, also die arbeits-und sozialrechtlichen Bestimmungen, sind jedenfalls einzuhalten. Wie auch sonst immer wird auch während der EURO die AK auf die Einhaltung dieser Spielregeln in der Arbeitswelt achten", sagt Holzbauer. Nicht vergessen werden sollen auch jene ArbeitnehmerInnen, die weniger oder gar nicht Fussball begeistert sind. Sie müssen vor allzu großer Begeisterung geschützt werden. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme müßten aber die Probleme lösbar sein.

Die EURO-Check-Liste:

+ Viele Arbeitsverhältnisse rund um die EURO 2008 sind für die Dauer der Veranstaltung befristet. Ein befristetes Dienstverhältnis kann während der Befristung weder vom Arbeitgeber noch vom Arbeitnehmer einseitig gekündigt werden. Es kann nur einvernehmlich oder aus wichtigem Grund gelöst werden.

+ Die AK empfiehlt jedenfalls die Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. Wer einen mündlichen Vertrag abgeschlossen hat, sollte diesen noch in schriftliche Form gießen bzw die Austellung eines Dienstzettels verlangen.

+ Bei Abschluss des Vertrages sollte jedenfalls die Dauer des Dienstverhältnisses, das Ausmaß und die Lage der Arbeitszeit, die Höhe der Entlohnung (brutto/netto) klar vereinbart werden. Der kollektivvertragliche Mindestlohn der jeweiligen Branche darf nicht unterschritten werden.

+ Problempunkt Überstunden:
Während der EURO ist mit erhöhtem Überstundenaufkommen zu rechnen. Die Höchstgrenzen der Arbeitszeit, die das Arbeitszeitgesetz vorsieht, sind einzuhalten. Die täglichen Maximalarbeitszeit beträgt in den meisten Branchen zehn Stunden (Ausnahme zB Bewachung). Um späteren Beweisschwierigkeiten vorzubeugen, sollten jedenfalls die Arbeitszeiten tagesaktuell aufgezeichnet und möglichst vom Arbeigeber gegengezeichnet werden.

Auf versteckte Vertragsklauseln achten, ZB die all-inclusive-Klausel. Dadurch wird vereinbart, dass mit dem vereinbarten Entgelt alle Arbeitsleistungen abgedeckt und Überstunden nicht extra entlohnt werden.

Überstunden sind jedenfalls mit einem Zuschlag von 50 Prozent abzugelten. Einige Kollektivverträge sehen aber auch für Arbeitsleistungen zu außergewöhnlichen Zeiten höhere Überstundenzuschläge vor.

+ Was passiert mit dem Urlaubsanspruch?
Es ist nicht anzunehmen, dass während eines Euro-Jobs Urlaub konsumiert wird. Der anteilig zustehende Urlaub muß bei Beendigung des Arbeitsverhältnis als Urlaubsersatzleistung abgegolten werden. Es könnte sich lohnen, die Endabrechnung genau zu kontrollieren.

+ Wird ein Arbeitnehmer krank, bekommt er sein Entgelt weitergezahlt. Der Arbeitnehmer muss die Erkrankung dem Arbeitgeber unverzüglich melden und auf Verlangen eine ärztliche Bestätigung vorlegen.

+ Arbeitnehmer, die über der Geringfügigkeitsgrenze (= 349,01 Euro pro Monat) verdienen, sind voll versichert (kranken-, unfall-, arbeitslosen- und pensionsversichert). Die Anmeldung bei der Krankenkasse ist vom Arbeitgeber vor Arbeitsbeginn vorzunehmen. Eine Kopie der Anmeldung ist dem Arbeitnehmer auszufolgen.

+ Beschäftigung als Volunteer:
Die UEFA bewirbt unentgeltliches, freiwilliges, mindestens sechs Tage umfassendes Arbeiten während der EURO. Ein Voluntariat ist kein Arbeitsverhältnis und dementsprechen ist auch keine Arbeitsverpflichtung gegeben.

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Thomas Angerer
AK Wien Kommunikation
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