"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die angesagte Revolution" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 31. Mai/1. Juni 2008

Innsbruck (OTS) - Hypernervosität, Panik und Druck. Das ist die Stimmungslage der Parteien eine Woche vor der Wahl.

Herwig van Staa wird den Wahlsonntag am 8. Juni politisch nicht überleben. Das Ergebnis aller derzeit veröffentlichten Umfragen lässt eigentlich nur diesen Schluss zu. Denn der Tiroler ÖVP wird ein Wahldebakel erster Klasse vorausgesagt, bei dem sie zumindest zehn Prozent verlieren wird.

Die Wahlbörse auf unserer Homepage tt.com, bei der 6270 Internet-Aktienhändler das Ergebnis wie beim Toto tippen, wettet die ÖVP gar nur auf 36 Prozent. Fritz Dinkhauser würde mit 18 Prozent auf Platz zwei, noch vor der SPÖ (17? Prozent) und den Grünen (14? Prozent) sowie der FPÖ (12? Prozent), kommen.

Kein Wunder, dass das Stimmungsbarometer in den Parteizentralen zwischen Panik, Hypernervosität und Druck pendelt. Van Staa weiß, dass er ein Erdbeben unter 40 Prozent wohl kaum als ÖVP-Parteichef überstehen würde. Diese Zuspitzung kann aber auch ein strategischer Vorteil sein. Denn niemand diskutiert mehr darüber, ob die ÖVP die absolute Mandatsmehrheit in Tirol verliert. Ein Verlust von acht oder neun Prozent würde wie ein Sieg verkauft. Wie zuletzt in Innsbruck.

Van Staa weiß, dass auch Hilde Zach bei der Innsbrucker Gemeinderatswahl 2006 ein Wahldesaster um die 20 Prozent prognostiziert wurde. Tatsächlich verlor Zach von 36,3 auf 26,8 Prozent. Wirklich passiert ist aber nichts. Zach regiert nach wie vor als Bürgermeisterin.
Spannend ist die Frage, ob die angesagte Revolution der van-Staa-Gegner tatsächlich stattfindet. 2003 lagen die Prognosen bei der Landtagswahl vom tatsächlichen Ergebnis meilenweit entfernt. Denn van Staa wurden bis zu 60 Prozent zugetraut, geworden ist es eine hauchdünne absolute Mandatsmehrheit mit 49,9 Prozent.

Dass die Tiroler WählerInnen den Meinungsforschern ein Kreuzerl durch die Rechnung machen, muss auch Hannes Gschwentner von der SPÖ hoffen. Denn auch ihm droht ein Verlust von bis zu zehn Prozent.

Im Gegenzug legten sich Grüne und Dinkhauser die Latte überraschend hoch. Beide nannten 20 Prozent als Ziel. So kann es durchaus passieren, dass beide Parteien tolle Zugewinne schaffen und am Ende doch als Verlierer dastehen.

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