Experte plädiert für werbefinanziertes Handy-TV

Weniger Reichweite, aber personalisierte Ansprache - Mobilfunker eher skeptisch - Vorbild soziale Netzwerke: Sequenzen aufnehmen und an Freunde weiterleiten

Wien (OTS) - Die Kombination aus Fernsehen und Werbung ist den Konsumenten vertraut. Im mobilen Bereich wagt man den Schritt auf dieses unbekannte Terrain vorerst aber noch nicht. Zu Unrecht, wie Experten meinen. "Warum spricht keiner von Werbefinanzierung? Warum soll der Kunde für alles allein bezahlen? Das passiert in keinem anderen klassischen Medium", erklärte Otto Petrovic, Leiter des Grazer Forschungsinstituts "evolaris Privatstiftung", bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.

Die Besonderheiten des mobilen Fernsehens müssten sich aber in eigenständigen Formaten spiegeln, da die Reichweite nicht mit klassischen Medien vergleichbar sei. "Die Agenturen sagen: Das ist die Reichweite eines Bezirksblattes, und dafür zahle ich auch nicht mehr als für das Bezirksblatt." Diese Denkweise sei aber falsch, weil die Werbung am Handy regionalisiert und personalisiert werden könnte. Schließlich wüssten die Mobilfunker mehr über ihre Kunden als fast jede andere Branche. Werbung und Marketing dementsprechend anzupassen und für das bestehende Wertschöpfungssystem attraktiv zu machen, werde aber noch dauern.

Um Informationen über die Akzeptanz von Handy-TV zu ermitteln, plädierte Petrovic für "Living Labs": "Im Osten schaut man sich an, was die Menschen mobil nutzen. Das sind beispielsweise Seifenopern und Erotik. Im Westen befragt man die Leute. Natürlich sind dann alle nur an Nachrichten und Co. interessiert." Als "Mäusekino" würde der Fachmann mobiles Fernsehen nicht bezeichnen. "Der Bildschirm ist klein, das stimmt, aber dafür ist Handy-TV mobil und interaktiv. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die heutigen Jugendlichen mit kleinen Bildschirmen aufgewachsen sind - siehe Nintendo", gab sich Petrovic überzeugt.

Generell sei das Handy ein Lücken- und Kommunikationsmedium. "Mit mobilem Fernsehen kann man perfekt Wartezeiten überbrücken. Ein weiterer Mehrwert ergibt sich durch die Möglichkeit, Sequenzen aufzunehmen und beispielsweise an Freunde weiterzuleiten. Das zeigt sich auch am Boom von sozialen Netzwerken", so Petrovic.

Offen gegenüber neuen Finanzierungsmodellen, aber dennoch skeptisch, zeigte sich Christian Nemeth vom Mobilfunker One. "Es gibt nur sporadische Vorstöße der Werbebranche. Die kommen normalerweise nicht von allein. Für uns hat Werbung am Handy kurzfristig gesehen keine Relevanz", relativierte Nemeth. Außerdem habe man nur bei speziell auf das Handy abgestimmten Programmen Einfluss auf die Inhalte, nicht aber auf die klassischen TV-Anbieter. Mittelfristig würden sich die Produzenten dem Trend zu mobilem Fernsehen aber nicht verschließen können. "Das ist wie in den 50er-Jahren, als wir an der Schwelle vom Kino zum TV standen", so Nemeth.

Andreas Martin vom Unternehmen Hutchison 3G Austria, das auch Mitglied des Dialog Marketing Verbands Österreich ist, sieht mobiles TV als "kleine Medienrevolution". Spezielle für Handys aufbereitete Programme biete "3" schon seit mehr als zwei Jahren über die Mobilfunktechnologie UMTS an, bei der man inzwischen eine hundertprozentige Netzabdeckung erreiche. "Bei DVB-H wird das noch etwas dauern", sagte Martin. Er schätzt, dass "3" bis Jahresende rund 10.000 Kunden vom mobilen Fernsehen überzeugen kann.

"Eine Kombination von Handy-TV mit klassischen mobilen Portalen könnte die Entwicklung vorantreiben. Dafür sind aber speziell aufbereitete Inhalte und Services notwendig", erklärte Robert Schweinzer von APA-MultiMedia. Vorstellbar seien etwa Programmführer oder Kurznachrichten, die über den Beginn von interessanten Sendungen informieren. Allerdings glaubt auch Schweinzer, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich Handy-TV etabliert.

"Viel Hoffnung und viel Risiko", entnimmt Silvia Kienberger vom IT-Consulter Benmark den Plänen der heimischen Mobilfunker. Im Fokus der Betreiber müssten Interaktion und Zusatzdienste stehen - etwa die Wiederholfunktion oder die Möglichkeit, Produkte und Dienste zu kaufen, die gerade im TV gezeigt worden sind. "Dadurch ergibt sich eine völlig veränderte Wertschöpfungskette", so Kienberger.

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