Wlodkowski: Agrarpreise erholen sich nach Tiefpreis-Phase langsam

Ursachen klar: Erdöl, nicht Bio-Treibstoff treibt Inflation an

Wien (OTS) - "Die Diskussion über steigende Lebensmittelpreise ist oft mehr als vereinfachend. Nicht nur, dass zwischen dem Preis der agrarischen Rohprodukte und jenem der verarbeiteten Lebensmittel selten unterschieden und in der Öffentlichkeit den Landwirten jedes Preisplus sofort als Einkommen angerechnet wird, muss auch der Bio-Treibstoff als Sündenbock herhalten. Der tatsächliche Preistreiber, das Erdöl, dessen Preis sich innerhalb eines Jahrzehnts verzehnfacht hat, bleibt meist ungeschoren", stellte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, zur jüngsten Veröffentlichung von OECD und FAO fest. "Tatsache jedenfalls ist, dass sich zwischen 1960 und 2006 die realen Weltmarktpreise für Agrarprodukte halbiert haben. Im Vorjahr sind erstmals nach 30 Jahren die Agrarpreise wieder gestiegen. Diese Entwicklung hat ihren Höhepunkt überschritten, nun sinken die Preise wieder. In Zukunft werden sie zwar höher als 2006/07 sein, die Spitzen des Vorjahres jedoch nicht mehr erreichen", so Wlodkowski.

Erdöl treibt Lebensmittelpreis

"Auch wenn die beiden Institute die Preise für Agrarprodukte in Zukunft real um 10% bei Zucker, 20% bei Weizen oder 30% bei Butter bzw. Ölsaaten höher einschätzen, werden diese auf die Lebensmittelpreise nur geringen Einfluss haben. Die Ursache liegt im geringen Rohstoffkosten-Anteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse am verarbeiteten Lebensmittel. Weit höheren Einfluss wird die sich offenbar unaufhörlich nach oben drehende Ölpreis-Spirale haben, was deutlich spürbare Auswirkungen auf die Energiepreise hat und sich somit auf die Kostenstruktur von Verarbeitungswirtschaft, Lagerhaltung und Handel kostentreibend auswirkt", sagte Wlodkowski und ergänzte: "Gemeinsam mit den Konsumenten aus der Schweiz, aus Deutschland, Irland und Großbritannien liegen Österreichs Verbraucher bei den Ausgaben für Nahrungsmittel am untersten Ende der Statistik. Sie alle geben für Essen und Trinken nur noch rund 14 bis 15% ihres Einkommens aus."

Bio-Treibstoffe nicht schuld

"Auch wenn das Argument noch so oft verwendet wird, es wird nicht richtiger: Bio-Treibstoffe sind nicht schuld an den Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Die wahren Ursachen sind Dürren in den wichtigsten Getreideanbaugebieten und die auf ein absolutes Minimum gesunkenen Getreidevorräte. Dazu kommen der ständig steigende Ölpreis, neue Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern, die stark wachsende Zahl der Bewohner in den Städten, wo weltweit mittlerweile mehr Menschen leben als auf dem Land und das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt", so Wlodkowski.

Chance für Dritte Welt

"Die steigenden Agrarpreise haben nicht nur für die Bauern in den Industrieländern Vorteile, sie helfen auch den Landwirten in der Dritten Welt. Denn höhere Preise bewirken, dass sich in diesen Ländern eine Agrarproduktion wieder lohnt. Die Bauern können sich endlich Produktionsgüter, wie Landmaschinen, Pflanzenschutzmittel und Dünger kaufen und der Bevölkerung auf diese Weise die dringend benötigten Nahrungsmittel aus eigener Kraft zur Verfügung stellen. Die Landflucht kann gestoppt, ja sogar umgedreht werden: Denn weltweit liegen laut FAO über eine Milliarde Hektar Ackerland brach und könnten sofort in Produktion genommen werden", erklärte Wlodkowski abschließend.
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