KMSfB: Auswirkungen der Bologna-Vereinbarung

Musikgewerkschaft fordert den Ausbau des Musikunterrichts an den Pflichtschulen

Wien (KMSfB/ÖGB) - In einer Pressekonferenz, heute Freitag, erläuterten Peter Paul Skrepek, Dr. Hanns Stekel, Alexander Steinberger, Michael Bladerer und Peter Siakala die Auswirkungen der Bologna-Verinbarung im Musikbereich. Es heißt, dass der Musikunterricht die kognitiven Fähigkeiten steigert. Die Menschen würden dadurch gescheiter - und das im Lichte einer seit Jahrzehnten stattfindenden Reduktion des Musikunterrichts an den Regelschulen. Musik als Wert an sich ist offensichtlich kein ausreichendes Argument. Wir stellen fest, dass es zu einem massiven Abbau der Musikausbildung, zu einer Verwissenschaftlichung der Kunst sowie einer "Amateurisierung" und Marginalisierung der Musikkultur kommt. ++++

Aktuell werden von den Musikschulen der Stadt Wien alle über 25 Jahre alten Musikschüler vom Unterricht ausgeschlossen. Ein Beitrag der Stadt zum "Lebenslangen Lernen"? Für Dr. Hanns Stekel, Direktor der Johann Sebastian Bach-Musikschule in Wien ist: "Das Recht auf lebenslange musikalische Ausbildung ist ein grundlegendes Menschenrecht, sie ist grundlegend für die Entwicklung unseres Denkens und unserer Persönlichkeit. Der beste Ort dafür ist die Musikschule." In vielen Teilbereichen des österreichischen Musikschulwesens findet aber eine Hinwendung zur Bürokratie und eine Abwendung vom Lehren statt. Der Einzelunterricht soll abgeschafft werden, das Verhältnis Lehrer - Schüler umgestaltet. Musiklehrer mutieren zum Manager. "Statt Freude an Musik zu vermitteln, wird evaluiert, was der Einsatz der ständig weiter beschnittenen Budgets den Erbsenzählern bringt. Was Musik dem Menschen bringt, steht nicht zur Debatte", so Peter Paul Skrepek, Präsident der Sektion Musik in der Kulturgewerkschaft.

Bologna-Prozeß
Eine weltweit einheitliche und vergleichbare Ausbildung ist das vorgegebene Ziel. Das Ergebnis für uns: Zentrale Steuerung und mehr Bürokratie, Verflachung und Qualitätsverlust, Studienzeitenverlängerung, Steigerung der Kosten. Österreich und Deutschland sind dabei, im vorauseilenden Gehorsam ihre funktionierenden Ausbildungsstrukturen zu zerschlagen. Zwangsweise verabschieden wir uns vom romanischen Bildungsmodell, Mitgestaltung und Mitbestimmung bei diesem Vorhaben sind nicht möglich. "Die Konzeption der Studienpläne im Bolognaprozeß können trotz der redlichen Bemühungen jener, die dafür in den einzelnen Fächern verantwortlich sind, nicht mehr sein als ein bedenklicher Pfusch. Da steckt kein Plan dahinter, weder in fachwissenschaftlicher Hinsicht noch in universitätsdidaktischer. Studierende, die sich das Denken nicht abgewöhnen wollen, werden den alten Wein in den neuen Schläuchen nicht trinken, und ihre berechtigte Empörung wird den Lehrenden, die gar nichts dafür können, viele Sorgen bereiten. Ein großer Aufwand ist kläglich vertan, eine Chance ausgelassen", so Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien. Aber auch Franz Welser-Möst, designierter Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, schließt sich dieser Analyse an: "Die Kritik ist verständlich und muss zu unverzüglichen Konsequenzen führen!"

Vom Produzenten zum Konsumenten
Nicht nur im Unterricht geht es um die Globalisierung der [Kunst]Normen und [Klang]Vorstellungen - und die Zerstörung musikalischer und klanglicher Traditionen. Die Folgen dieser autoritären Politik sind bereits erkennbar: Musik wird zur Liebhaberei ambitionierter Amateure, und zwar ausschließlich; professionelle Musikschaffende verlieren ihre internationale Konkurrenzfähigkeit - die Prophezeiung "Bei uns gibt es ja nichts!" wird sich demnächst erfüllen. Wir werden zum reinen Absatzmarkt zentral gesteuerter Massenproduktion.

ÖGB, 30 Mai 2008 Nr. 329

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