Gusenbauer: Regierung plant Erhöhung der Volksgruppenförderung

Buchpräsentation: Bogatajs Buch über Kärntner Slowenen als wesentlicher Beitrag zum Dialog

Wien (SK) - Im Abgeordnetensprechzimmer des Parlaments fand Donnerstagabend die Präsentation von Mirko Bogatajs Buch "Die Kärntner Slowenen. Ein Volk am Rand der Mitte" im Beisein von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen statt. Gusenbauer bekräftigte, dass Bogataj mit seinem "hervorragenden Werk, das die Geschichte der Kärntner Slowenen umfangreich darstellt, einen wesentlichen Beitrag für den Dialog leistet". Eine Absage gab es vom Bundeskanzler an die "Kräfte der Verweigerung", die in Kärnten bei der "Ortstafel-Frage" nach wie vor versuchen, politisches Kleingeld zu wechseln. Gusenbauer kündigte weiters - als "erklärte Absicht der Bundesregierung" - eine Erhöhung der Volksgruppenförderung an. Muttonen bekräftigte in ihren Eröffnungsworten, dass Mirko Bogatajs Buch "durch viel Information zur Stärkung der friedlichen Zusammenlebens beiträgt" und auch darstellt, dass Mehrsprachigkeit Chance und nicht Bedrohung ist. ****

Im Zusammenhang mit der Erhöhung der Volksgruppenförderung denke er auch an eine "Modifikation der Instrumentariums". Da die bisherige Förderung nicht zu einer Förderung interkultureller Projekte geführt habe, sollen nunmehr "in einem reservierten Topf Geldmittel für innovative Projekte bereitstehen, die insbesondere dem interkulturellen Austausch und der Verständigung zwischen den Volksgruppen dienen sollen". Als "bedauerlich" wertete Gusenbauer es, dass der im letzten Sommer getätigte Vorschlag zur Lösung der "Ortstafel-Frage" keine Verfassungsmehrheit gefunden hat. Er sei allerdings "stolz" darauf, dass dieser Vorschlag breite Zustimmung gefunden habe - und das sowohl bei den VertreterInnen der slowenischen Volksgruppe als auch bei den Exponenten des Kärntner Heimatdiensts. Letztlich jedoch sei der im Geist von Kooperation und Konsens getätigte Lösungsvorschlag an den "Kräften der Verweigerung und Beharrung gescheitert", so Gusenbauer, der scharfe Kritik daran übte, dass gerade mit Blick auf die EURO 2008 die Chance vertan wurde, dieses Sportfest dazu zu nutzen, zur Verständigung der Völker und zu einer Europäisierung des Denkens beizutragen, statt nur politisches Kleingeld zu wechseln.

Slowenische Sprache ist Bereicherung

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit habe er sich intensiv mit der Frage der Stellung der Minderheit im Allgemeinen und in Bezug auf zweisprachige topographische Aufschriften im Besonderen beschäftigt, unterstrich Gusenbauer. Dadurch sei ihm etwa bewusst geworden, dass viele KärntnerInnen die slowenische Sprache als "große Bereicherung" betrachten und "jene, die - aufgeladen mit historischen Vorurteilen -darin eine Bedrohung sehen, immer weniger werden". Besonders beeindrucke ihn der große Zuspruch, den zweisprachige Schulen in Kärnten erfahren - für den Bundeskanzler ein Beleg dafür, dass die "Mehrzahl der KärtnerInnen in Sachen Dialog mit der jeweils anderen Volksgruppe wesentlich weiter ist als manche politischen Kräfte, die Haltungen vertreten, die nicht mehr unserer Zeit entsprechen". Ebenso erfreulich sei es, dass sich jetzt auf lokaler Ebene in Kärnten "Dialoggruppen" bilden - die eine "Welle des Dialogs über ganz Kärnten spannen" sollen, so Gusenbauer, der sich zudem das Entstehen "neuer Initiativen" zur Lösung der "Ortstafel-Frage" erwartet.

Das Buch von Mirko Bogataj sei "beredetes Zeugnis für die Lebendigkeit" der Volksgruppe der Kärntner Slowenen und es sei auch "lebendiger Ausdruck einer Versachlichung der Diskussion um die Stellung der Kärntner Slowenen", so Gusenbauers Würdigung des Werks "Die Kärntner Slowenen", das "im Geiste des Dialogs geschrieben ist". Mirko Bogataj mache in seinem Band auch durch historische Ausführungen klar, dass die "slowenische Volksgruppe ein integraler Bestandteil der österreichischen Identität ist".

Muttonen - Buch bietet auf 480 Seiten viel Information und Emotion

Mirko Bogataj biete in seinem Buch "auf 480 Seiten viel Information und Emotion" - und das Buch sei ein "Opus magnum", verfasst im Geist kultureller Vielfalt und Verständigung. Umso mehr sei es da zu verurteilen, dass die Präsentation des Buches im Wappensaal des Kärntner Landhauses verhindert wurde - mit dem entlarvenden Argument, dass dort nur Veranstaltungen erfolgen sollen, die im Interesse des Landes Kärnten seien. Dieses Vorgehen zeuge von "Hochmut und Intoleranz", empörte sich Muttonen, die es als "Genugtuung" bezeichnete, dass die jetzige Buchpräsentation in Wien im Hohen Haus stattfindet. Die SPÖ-Kultursprecherin verwahrte sich im Zusammenhang mit der Ortstafel-Debatte auch gegen "Versatzstücke aus dem 20. Jahrhundert und Vorurteile, die davon zeugen, dass manche noch lange nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind". Das Buch des Autors und Journalisten Mirko Bogataj sei ein "Lesebuch im besten Sinne des Wortes und eine einzigartige Mischform zwischen Sachbuch und sehr persönlichem Briefwechsel", so Muttonen.

Bogataj will Einsichten für besseres Zusammenleben vermitteln

Mirko Bogataj bedankte sich für die herzlichen Worte von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen und machte klar, dass er das Buch geschrieben habe, um "Einsichten für ein besseres Zusammenleben zu vermitteln". Die Kärntner Slowenen "verbinden zwei Welten" - und sorgten dafür, dass es "nur mehr eine Mitte gibt", so Bogataj, der seinen Landsleuten abschließend nahelegte, "die Welt vor ihrer Haustür zu entdecken -eine Welt, die voll inneren Reichtums ist".

Service: Mirko Bogataj: Die Kärntner Slowenen. Ein Volk am Rand der Mitte. Kitab-Verlag. Klagenfurt - Wien. 2008. 480 Seiten, Euro 25,--. (Schluss) mb

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