"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der IG Milch fehlt Augenmaß" (Von FRANK TSCHONER)

Ausgabe vom 30. Mai 2008

Innsbruck (OTS) - Die Forderung der Interessengemeinschaft Milch
ist überzogen. Der Konsument könnte das bestrafen.
Wie ein Flächenbrand breitet sich der Milchboykott der Bauern in Europa aus. Millionen Liter Milch landen im Kanal oder in der Surgrube. Die Milchbauern kämpfen für einen höheren Milchpreis und wollen mit verschütteter Milch auf ihre Notlage aufmerksam machen. Dafür muss man Verständnis haben. Sind doch die Landwirte in einer Kostenfalle von hohen Spritpreisen sowie explodierenden Preisen für Futter- und Düngemittel gefangen. Viele können von der Landwirtschaft allein nicht mehr leben und betreiben sie im Nebenerwerb. Wenn die Milch nichts mehr einbringt, wird das Bauersein zum teuren Hobby. Ein Bauernsterben immensen Ausmaßes wird die Folge sein.
Unverständnis jedoch für die Interessengemeinschaft Milch. Sie fordert 45 Cent pro Liter. Die Tirol Milch zahlt derzeit 42 Cent, die Sennerei Zillertal sogar ein wenig mehr mit 43,5 Cent je Liter. Die Tiroler Molkereien liegen damit mit ihren Preisen weit über dem europäischen Durchschnitt von 25 bis 35 Cent. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich bisher nur zwei Tiroler Bauern den Protesten der IG Milch angeschlossen haben.
Diese Interessengemeinschaft hat das Augenmaß mit ihrer Forderung verloren. Sie ist zu hoch. Beim Konsumenten, dem durch dauernde Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie das letzte Geld aus der Tasche gezogen wird, ist es mit der Toleranz bald vorbei. Bisher zeigten sich die Tiroler mit ihren Bauern solidarisch und zahlten einen höheren Milchpreis für das heimische Produkt. Wenn der Preisbogen überspannt wird, ist es aus damit.

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