"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Geld her, Finger weg" (Von Kurt Horwitz

Ausgabe vom 30.05.2008

Wien (OTS) - Wenn der Staat bei Wirtschaftsunternehmen mitmischt, geht das meistens schief: ÖBB, AUA oder Asfinag sind schlagende Beispiele, wie teuer staatlicher Einfluss auf Personal- und sonstige Entscheidungen kommen kann.
Dennoch ruft der durchaus marktwirtschaftlich denkende Wirtschaftsprofessor Elgar Fleisch (ETH Zürich und Uni St. Gallen) in einem Sonderfall nach dem Staat: Er wünscht sich öffentliches Geld für so genannte "Seed Funds". Die sollen sich an jungen, innovativen Unternehmen beteiligen und sie auf diese Weise mit Startkapital versorgen.
Die Politik soll sich allerdings heraushalten: Fleisch ist wichtig, dass der Fonds von einem unabhängigen Profi geführt wird - mit Betonung auf beidem: Das Management muss aus erfahrenen, erwiesenermaßen tüchtigen Managern bestehen, und es muss unabhängig arbeiten können.
Die Idee ist nicht neu. Technologie- und Innovationsexperten aus den zuständigen Ministerien tüfteln schon seit längerem an entsprechenden Modellen. Um sie zu realisieren, müssten die Politiker aber über ihren Schatten springen. Sie müssten Geld aus dem Steuertopf zur Verfügung stellen und sich verpflichten, danach keinerlei Einfluss zu nehmen.
Geht es gut und machen die Unternehmen Gewinn, droht ihnen der Vorwurf, wie böse Kapitalisten zu agieren; geht es schief, haben sie Steuergeld verschwendet: Das will kein Politiker.
Im Gegensatz zur sonst üblichen Innovationsförderung hätte das "Seed-Fonds-Modell" aber zahlreiche Vorteile. Bei Zuschüssen oder zinslosen Krediten profitiert nur der Unternehmer: Geht das Projekt den Bach hinunter, ist das Geld weg. Sprudeln aber wie erhofft die Gewinne, muss der Investor sie mit niemandem teilen. Der Steuerzahler finanziert also das Risiko, kann aber vom Erfolg nur indirekt über zusätzliche Arbeitsplätze und Ertragssteuern profitieren.
Bei "Seed-Fonds" ist das anders: Der Fonds beteiligt sich am Unternehmen. Er trägt dadurch nicht nur das Risiko, sondern ist auch an den späteren Gewinnen beteiligt. Dazu muss er allerdings die Beteiligung über die Aufbauphase des Unternehmens und die Marktreife des innovativen Produkts hinaus halten.
Soviel Weitsicht über Legislaturperioden hinaus trauen sich Österreichs Wirtschaftspolitiker offenbar nicht zu. Außerdem fehlt ihnen die Selbstverleugnung, weder auf die Zusammensetzung des Managements noch auf sonstige unternehmerische Entscheidungen Einfluss zu nehmen.
Erschwerend kommt die Neidgesellschaft hinzu. Erfolgreiche Sportler sind Helden der Nation, ihnen gönnt man gerne Gagen in Millionenhöhe. Über die 23 Millionen Euro Jahreseinkommen des brasilianischen Fußballstars Ronaldinho oder die neun Millionen der scheidenden deutschen Tormannlegende Oliver Kahn zerreißt sich niemand den Mund. Erfolgreiche Unternehmer mit solchen Einkommen werden gerne als Schmarotzer hingestellt. Das ist naturgemäß nicht das Klima, in dem Politiker mutige Entscheidungen treffen und Steuergeld in zukunftsträchtige Unternehmen statt in Sanierungsfälle stecken.

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