WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wenn Chefs zu Ganoven oder Bürokraten werden - von Wolfgang Unterhuber

Manager müssen Vorbild für Mitarbeiter und die Gesellschaft sein

Wien (OTS) - Was ist eigentlich in den Chefetagen los? Die einen hinterziehen trotz Supergagen Steuern (Deutsche Post), schmieren ihre Kunden (Siemens) oder die Betriebsräte (VW), die anderen lassen ihre Mitarbeiter überwachen (Lidl), manche auch ihre Managerkollegen (Deutsche Telekom) oder stehen unter Verdacht auf Insiderhandel(EADS). Und wenn nichts Illegales betrieben wird, dann wird wegen Unfähigkeit eine amerikanische Immobilienkrise nach Europa importiert (Danke, liebe Bankmanager), oder man fliegt im Kreis wie bei der AUA.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und man fragt sich, warum der ganze schöne marktwirtschaftliche Laden eigentlich nicht gleich hochgeht. Bisher gab es dazu immer eine Antwort: Weil es da die vielen Führungskräfte der zweiten, dritten und vierten Ebene gibt, die denselben eben zusammenhalten, wenn die Oberbosse mal wieder gehörig Mist gebaut haben.

Diese Sicht der Dinge darf anhand einer neuen Studie des Unternehmensberaters Alois Czipin kritisch hinterfragt werden. Demnach verbringt Österreichs Mittel-Management fast 80 Prozent der Zeit entweder mit verwaltungstechnischem Krimskrams, mit Arbeiten, die auch Kollegen ohne Führungsfunktion erledigen könnten. Oder man geht gleich privaten Angelegenheiten nach, die mit Führen und Steuern nichts zu tun haben.

Das klingt beunruhigend. Wird in den Unternehmen also nur noch verwaltet und persönlichen Befindlichkeiten nachgegeben? Faktum scheint jedenfalls, dass der Turbo-Kapitalismus die Top-Manager menschlich überfordert und die Führunsgkräfte darunter zu bürokratischen Exekutiv-Beamten verkommen lässt.

Es wird also Zeit, die Dinge in einem neuen Licht zu betrachten. Wobei festzuhalten ist, dass es den coolen, strategisch perfekt handelnden Manager, der keine Minute seiner Zeit sinnlos verplempert, schlichtweg nicht gibt. Doch stellt sich die Frage, ob sich Karriere ohne Rücksicht auf Verluste wirklich auszahlt, wenn man am Ende zum Schreibtischtäter oder gar zum Ganoven wird. Führungskräfte, egal auf welcher Ebene, müssen sich wieder im Klaren sein, dass sie nicht nur Vorbild für ihre Mitarbeiter sein müssen, sondern auch für die Gesellschaft. Sie sind die Apostel der freien Marktwirtschaft. Und die lässt sich weder verwalten, noch mit Betrügereien aufrecht erhalten.

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